Unter Deutschen

Das Grundgesetz, der Deutschen Verfassungsersatz, beginnt mit einer Feststellung, die mehr Schein ist denn Sein: »Die Würde des Menschen ist unantastbar«. Das demonstrierten am Donnerstag Teile der Gesellschaft, die sich ihrer Prominenz wegen wohl nicht ganz unzutreffend als deren Elite verstehen, bei der Verleihung eines »Echo« an »Künstler«, die von eben jener Würde nichts halten.

Kollegah und Farid Bang wurden für ihr Album »JBG3« geehrt, das sich gewiß nicht trotz, sondern wegen seiner antisemitischen, rassistischen und homophoben Botschaften zu einem Verkaufserfolg entwickelt hatte. Stellt sich mit diesem Erfolg bereits die deutsche Gesellschaft ein denkbar schlechtes Zeugnis aus, ist das unüberhörbar laute Schweigen ihrer popkulturellen Elite ein Skandal.

Einzig Campino, der Sänger der Toten Hosen, hielt es für angebracht, sich in einem Statement gegen Kollegah und Farid Bang zu positionieren. Doch wollte er damit etwas erreichen, scheiterte er um Unwillen der restlichen Prominenz, die sich zwar zu etwas Applaus durchringen konnte, sonst aber auf Stellungnahmen verzichtete. Man war da, »um einen guten Abend zu haben und zu feiern«.

Und darin war man sich mit Kollegah und Farid Bang durchaus einig: Nicht Antisemitismus störte an diesem Abend, nicht Rassismus, nicht Homophobie. Es war Campino, der mit seinen Worten aus dem Rahmen fiel. Und das, das sagt alles über den erbärmlichen Zustand auch und ganz besonders dieser feinen Gesellschaft. Kollegah und Farid Bang gehören so unrettbar zu ihr wie sie zu ihnen.

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