Ministerium für Wahrheit

Es ist ein Armutszeugnis für die deutsche Medienbranche, daß ausgerechnet das Krawallblatt BILD am Donnerstag einmal mehr unter der Überschrift »Antisemitismus-Skandal um deutschen Top-Diplomaten« enthüllen konnte, daß inzwischen kaum mehr zu zählenden Bekenntnisse deutscher Politiker zum Kampf gegen Antisemitismus wenig mehr sind als wohlklingende Lippenbekenntnisse.

Wie BILD also nun berichtet, hat Christian Clages, der deutsche Repräsentant in Ramallah, bei Twitter »zahlreiche Tweets mit einem ›Gefällt mir‹-Herz versehen, die israelfeindliche und antisemitische Propaganda verbreiten«. Und weil das dem wohl völlig überraschten Außwärtigen Amt recht peinlich war, hat es die »inakzeptablen« Beifallsbekundungen seines Diplomaten prompt gelöscht.

Dieses bemühte Beseitigen von Spuren ist peinlich. Wäre es nicht ehrlicher, es würden all die Erklärungen Heiko Maas’ entfernt, mit denen der deutsche Außenminister sich als Vorkämpfer gegen Antisemitismus inszeniert? Denn ganz offensichtlich kann oder will er nicht einmal im eigenen Haus für Zurückhaltung sorgen, zumal ja kaum überraschen kann, was BILD nun nur öffentlich machte.

Denn Christian Clages’ Verhalten ist längst nicht nur im Internet überaus fragwürdig: Ganz real beispielsweise stattete er dem Büro der »palästinensischen« Agentur Wafa einen Solidaritätsbesuch ab, nachdem Büros dieses Sprachrohrs der »Palästinenserführung« von israelischen Soldaten nach Hinweisen auf gesuchte Terroristen durchsucht worden waren, und forderte klagend »Pressefreiheit«.

Oder Christian Clages’ Besuch bei dem Aktivisten Issa Amro in Hebron: Der »Palästinenser«, ein begeisterter Anhänger der antisemitischen BDS-Bewegung, hat es sich zur Aufgabe gemacht, Israel, dessen Mehrheitsbevölkerung und ihre Regierung tagtäglich zu verleumden, zu dämonisieren und zu beschimpfen. Christian Clages bewarb diesen Issa Amro als eine »empfehlenswerte Quelle«.

Zeigt sich das deutsche Außenministerium jetzt »überrascht«, verrät das nur, wie selbstverständlich dort antiisraelische und antisemitische Haltungen sind. Sie fallen dem und im Apparat gar nicht auf, weil sie so »normal« sind. Erst der kritische Blick von außen sorgt, wenn überhaupt, für etwas Aufregung. Zeugnisse dieses Versagens sollten erhalten werden, nicht geschichtsklitternd gelöscht.

1 Comment

  1. Warum so abfällig gegenüber der Bild-Zeitung, lieber tw?

    Die Blätter der vermeintlichen deutschen Intelligenz, z.B. SZ und Spiegel, bemühen sich doch immer mal wieder, neben ihrer beständigen antiisraelischen Agenda, Artikel zu lancieren, die auch dem Gröfaz gefallen hätten.

    Ich finde das um einiges widerwärtiger als die Boulevard-Berichterstattung der BILD.

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