Bildungsreise

Vor einer Woche besuchten 25 junge muslimische Flüchtlinge und Juden die Holocaust-Gedenkstätte Auschwitz, um dort gemeinsam an die Opfer des Vernichtungsfeldzugs der Deutschen gegen das europäische Judentum zu erinnern. Organisiert hatten die Reise die Union Progressiver Juden und der Zentralrat der Muslime in Deutschland, die auch für prominente Begleitung der Reise sorgten.

So nahmen die Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein und Thüringen, der Unionspolitiker Daniel Günther und der Linken-Politiker Bodo Ramelow an der mehrtägigen Ausfahrt teil, deren »Erfolg« darob freilich schon vorher abzusehen war. »Die Trauer eint uns«, zitiert das österreichische Boulevardblatt Krone einen aus Syrien nach Deutschland geflüchteten Teilnehmer der Reise.

»Die Mühe hat sich gelohnt«, konstatierte Rabbiner Walter Homolka von der Union Progressiver Juden, als ein »Pilotprojekt, das Nachahmer finden sollte«, bezeichnete Aiman Mazyek, der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, die Reise, mit der die beiden Organisatoren nach eigenen Angaben gegen zunehmenden Antisemitismus in Deutschland »ankämpfen« wollten.

So lobenswert dieses Ansinnen allerdings auch ist, ob ein Besuch in einer Holocaust-Gedenkstätte zu diesem Zweck geeignet ist, scheint doch fraglich. »Antisemitismus ist Massenmord und muss dem Massenmord vorbehalten bleiben«, hat einmal ein Parteifreund Bodo Ramelows erklärt und mit dieser Behauptung auf absurde Weise das Ausmaß des Phänomens Antisemitismus geleugnet.

Soll nun jedoch Antisemitismus mit Reisen nach Auschwitz und andere Gedenkstätten bekämpft werden, wird dann nicht gerade der Eindruck erweckt, Antisemitismus sei »dem Massenmord vorbehalten«? Der Holocaust ist Bestandteil der Weltgeschichte. Zu ihrer Vermittlung können solche Besuche beitragen. Aber machen sie bewußt, daß Antisemitismus eben nicht mit Mord anfängt?

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