Schlagwort: Moshe Zimmermann

Peinliches Pamphlet

Im Berliner Tagesspiegel haben am letzten Donnerstag Moshe Zimmermann und Shimon Stein unter der Überschrift »Wer bestimmt, was jüdisch ist?« den Rücktritt Peter Schäfers als Leiter des Jüdischen Museums in Berlin kommentiert. In ihrem Text warnen der Historiker und der Ex-Diplomat vor einer »Gefahr für die Meinungsfreiheit«, die vom Einfluß Jerusalems in Deutschland ausgehe.

Seien in Israel unter der Herrschaft Benjamin Netanjahus politischer Diskurs und Streit längst verstummt, versuche der Premierminister, dem es freilich nach den Knessetwahlen im April nicht gelungen ist, eine regierungsfähige Koalition zu schmieden, nun auch in Deutschland das politische Klima zu vergiften: »Deutsche Politiker wirken eingeschüchtert«, beklagen die beiden Autoren.

Der Wille Benjamin Netanjahus wird danach vom Zentralrat der Juden in Deutschland. Und hinzu komme quasi als philosemitische SA noch die AfD, die Jerusalem zwar schneide, mit demonstrativ proisraelischen Initiativen aber erst recht um dessen Anerkennung buhle. Doch »statt sich zu wundern über die Absurdität dieser AfD-Israel-Liebesbeziehung, lenken Politik und Medien meist ein«.

Mit ihrem »Diskussionsbeitrag« schaffen Moshe Zimmermann und Shimon Stein es mühelos, sich als völlig realitätsferne Alibijuden bei all jenen anzudienen, die schon immer wußten, daß – von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen – alle Juden die Regierung in Jerusalem vertreten, ihre Loyalität erst Israel gilt und, wenn überhaupt, erst dann dem Staat, dessen Bürger sie ihrem Paß nach sind.

Daß den sich als Streiter für Meinungsfreiheit inszenierenden Autoren in ihrer Verteidigung insbesondere der BDS-Bewegung nur der Rückgriff auf antisemitische Klischees einfällt, ist ein bezeichnendes Armutszeugnis. Ihr mit falschen Behauptungen gespickter Text verharmlost Antisemitismus, dämonisiert die demokratische Gesellschaft Israels und beleidigt all jene, die sich für sie einsetzen.