Faule Ausrede

Es ist in diesen Tagen immer wieder zu hören, »Kritik an den israelischen Kriegsverbrechen in Gaza« sei »kein Antisemitismus«, wie das erst am Montag wieder exemplarisch ein ehemaliger Vorsitzender einer Partei formulierte, die sich gerade anschickt, die »Regierungschefin« in Berlin zu stellen. Und es fällt auf, daß solche angeblichen »Verbrechen« dann – abgesehen vielleicht vom gleichwohl unbelegten Vorwurf eines »Völkermords« – nicht benannt werden.

Das muß nicht heißen, daß es nicht zu Kriegsverbrechen im Rahmen des Kampfs zur Zerschlagung der Hamas und der Befreiung ihrer jüdischen Geiseln gekommen ist oder kommt. Wer aber voller Überzeugung vorträgt, es gebe in dem ganzen antisemitischen Geschrei dieser Tage auch »Kritik an den israelischen Kriegsverbrechen in Gaza«, sollte doch entsprechende Vorfälle zitieren können, und zwar nicht bloß den einen oder anderen, sondern eine ganze Reihe von Zwischenfällen.

Denn ohne konkret belegbare Vorfälle ist auch das Geschwätz von »den israelischen Kriegsverbrechen« dann eben nicht mehr als Geraune, das nicht darauf abzielt, womöglich tatsächliches Fehlverhalten israelischer Streitkräfte – und dann eben auch: berechtigt – zu kritisieren, sondern darauf, die israelische Verteidigung gegen den barbarischen Angriff der Hamas und ihrer Komplizen am 7. Oktober 2023 insgesamt zu diskreditieren, als Verbrechen zu brandmarken.

Und das hat mit Antisemitismus deutlich mehr gemein als mit etwas, das gemeinhin als Kritik verstanden wird, zumal in einem Umfeld, daß keinerlei Hemmungen zeigt, mit »Palitüchern«. Hamas-Bändchen oder Wassermelonen-Anstecknadeln den eigenen Standpunkt zu markieren und damit die eigenen Sympathien. Es ist eben doch so, daß die Behauptung , es gehe um »Kritik an den israelischen Kriegsverbrechen«, in der Tat antisemitische Motive camouflieren soll.

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