Explosiver Fund

Die libanesischen Streitkräfte haben vor wenigen Tagen zwei Männer bei dem Versuch festgesetzt, gut eine halbe Tonne Sprengstoff in den Süden des Landes zu schmuggeln. Die beiden Festgenommenen, die nach Angaben aus Beirut mit der Hisbollah in Verbindung stehen – einer soll der Sohn eines ranghohen Vertreters der islamistischen Terrororganisation sein -, waren mit ihrem Wagen aus dem Osten des Landes nach Beirut unterwegs.

Bei einer Kontrolle des Fahrzeugs am Kontrollpunkt Dahr Al-Baidar entdeckten die Posten der libanesischen Armee 250 Kilogramm TNT sowie eine weitere Vierteltonne hochexplosiven C4-Sprengstoffs. Die Ladung wurde beschlagnahmt und Ermittlungen aufgenommen, die laut Justizminister Adel Nassar »bis zum bitteren Ende« geführt werden sollen. An seinem Versprechen wird der Minister sich aus innen-, aber auch außenpolitischen Gründen messen lassen müssen.

Während die vom Regime in Teheran gesteuerte Terrororganisation die Untersuchungen durch ihre tolldreiste Forderung nach einer »Rückgabe« des Sprengstoffs unterstützt und damit hinsichtlich der Eigentumsfrage wichtige Anhaltspunkte geliefert hat, weckt der Fund der libanesischen Armee nicht nur in Beirut Erinnerungen an den August 2020. Damals war ein Waffenlager der Terrororganisation im Hafen von Beirut in einer gewaltigen Explosion detoniert.

Weite Teile des Tors der libanesischen Hauptstadt zum Mittelmeer wurden dabei zerstört, über 200 Menschen getötet und Tausende verletzt, 300.000 Menschen wurden bei der Explosion zumindest zeitweilig obdachlos. Seinerzeit wurde die Hisbollah, wie Außenminister Youssef Raggi in einem Interview Anfang des Jahres einräumte, von Beirut noch gedeckt. Das soll sich seither geändert haben, wie die libanesische Führung seit Ende 2025 immer wieder betont.

Spätestens seit die »Partei Gottes« Anfang März gegen das Verbot Beiruts ihre Raketenangriffe auf Israel wiederaufgenommen hatte, zeigt die libanesische Regierung sich jedenfalls ab und an entschlossen, gegen die Terrororganisation vorzugehen; erst im Juni hatten der Libanon und Israel sich in einem von Washington vermittelten Abkommen erneut darauf verständigt. Sollte Beirut nun ernsthaft erwägen, den Sprengstoff zu »repatriieren«, wäre diese wichtige Einigung hinfällig.

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