Nachdem Noam Sohlberg, der Leiter der Zentralen Wahlkommission, dem israelischen Staatsoberhaupt das amtliche Endergebnis der Knesset-Wahl vom 27. Oktober übermittelt hat, hat Präsident Isaac Herzog Beratungen mit Vertretern der Parteien aufgenommen, in denen es darum geht, wer von ihm mit der Regierungsbildung beauftragt wird. Die ersten Einladungen gingen dabei nicht an Amtsinhaber Benjamin Netanjahu oder dessen Herausforderer Gadi Eisenkot.
Beide beanspruchen den Wahlsieg zwar für sich. Tatsächlich ging Benjamin Netanjahus Likud mit 27 Mandaten als stärkste Partei aus den israelischen Parlamentswahlen hervor, während Gadi Eisenkots Yashar 21 Sitze erringen konnte. Zusammen mit ihren Partnern verfehlen aber beide Blöcke die erforderliche Stimmenmehrheit im Parlament. Isaac Herzog berät daher zunächst mit den kleineren Parteien, deren Votum entscheidet, wer die besten Chancen auf eine Regierungsbildung hat.
Hat Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sich in der Vergangenheit durchaus auch von arabischen Parlamentariern wählen lassen, haben Ra’am (8 Mandate) und die Joint List (11 Mandate) kategorisch ausgeschlossen, ihm zu einer weiteren Amtszeit zu verhelfen. Mit ihren zusammen 19 Stimmen könnten sie Gadi Eisenkot, dessen Block über 48 Mandate verfügt, eine komfortable Mehrheit bescheren. Doch auch in der Opposition gibt es Vorbehalte gegen eine solche Zusammenarbeit.
Darf bezweifelt werden, daß die Opposition zum amtierenden Premier als alleiniges einigendes Ziel dauerhaft trägt, bliebe als dritte Möglichkeit noch eine Koalition zwischen Likud und Yashar und die Bildung einer gemeinsamen »Einheitsregierung«. Davon freilich wollen gegenwärtig Gadi Eisenkot und Benjamin Netanjahu nichts hören. Isaac Herzog steht also vor einer herausfordernden Aufgabe. Doch das ist letztlich auch nicht unbedingt eine ungewohnte Situation für ihn.