Schlagwort: Appeasement

Liebeserklärung

Von Nathan Sharansky stammt der sogenannte »3-D-Test«, der dabei helfen soll, zwischen legitimer Kritik an Israel und der israelbezogenen Variante des Antisemitismus zu unterscheiden. Wird der jüdische Staat dämonisiert, wird er delegitimiert, wird er mit doppelten Standards gemessen, ist es danach eher schlecht bestellt um die Satisfaktionsfähigkeit der »Kritik«.Und dann hilft es auch wenig, »Unterstellungen, die jetzt wieder folgen werden, [..] vorsorglich« zurückzuweisen.

Mit einer ganzen Reihe verbaler Ausfälle gegen Israel hat sich Lars Castellucci, der Genosse ist tatsächlich der »Beauftragte der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und humanitäre Hilfe«, nun das Wochenende vertrieben, hinter denen nach seiner dahingefloskelten »Distanzierung« wohl einiger Vorsatz vermutet werden darf: Die Hürden des »3-D-Tests« nimmt der Sozialdemokrat mit seiner »Analyse«, wie er es nennt, nämlich allesamt ganz mühelos.

Das beginnt mit der Dämonisierung Israels, dessen demokratisch gewählter Regierung – »unsere israelischen Freunde« – Lars Castellucci unterstellt, auf Bitten »um die Einhaltung internationalen Rechts, Zugang für Hilfsgüter und Hilfsorganisation«, um ein »Ende der Siedlergewalt und [von] Demütigungen im Westjordanland, Schluss mit illegalen Besiedlungen« nicht zu reagieren. Israel wird damit als Staat dargestellt, der internationales Recht am laufenden Band mißachtet.

Diese einseitige und völlig verzerrte Darstellung Israels als Unrechtsstaat dämonisiert die jüdische Demokratie nicht »nur«, sondern delegitimiert sie darüber hinaus auch. Und indem der »Menschenrechtsbeauftragte« gleich darauf erklärt, daß ihm gleichgültig sei, welchen Anteil andere Konfliktbeteiligte daran haben könnten, offenbart er seine doppelten Standards: »An unsere Freunde setzen wir eben andere Massstäbe als an Terroristen«. Man wird ihn daran erinnern.

Brandbeschleuniger

Emmanuel Macron, das französische Staatsoberhaupt, hat seinen Auftritt vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen für scharfe Angriffe auf die Regierung in Jerusalem genutzt. Sein eigenes Außenministerium der Lüge bezichtigend, das sich nämlich seiner großzügigen Unterstützung der Menschen in Gaza rühmt, behauptete er wahrheitswidrig, »Korridore« für »humanitäre Hilfslieferungen« in das Gebiet seien »nicht für eine Sekunde wieder geöffnet worden«.

Auch seine Ausführungen zur Souveränität, ein Stichwort, das er immer wieder betonte, etwa des Libanon verrieten Emmanuel Macrons reichlich gestörte Wahrnehmung der Realität. Statt auf Distanz zur Hisbollah zu gehen, rechtfertigte er deren Unterwerfung des libanesischen Staates im Auftrag des islamistischen Regimes in Teheran und ihre Angriffe auf Israel. Nur der Rückzug der israelischen Streitkräfte, erklärte er, könne zu einer Entwaffnung der Terrororganisation führen.

Führte Emmanuel Macron vor einem Jahr eine internationale Kampagne zur diplomatischen Aufwertung des »palästinensischen« Gebildes an und betrieb in deren Verlauf die ausdrückliche Ausgrenzung Jerusalems, beschwerte er sich nun, daß aus der inzwischen erfolgten einseitigen Anerkennung »Palästina« durch Paris und weitere mit ihm verbündete Regierungen in der Realität wenig geworden ist, daß nicht einmal Gespräche über eine »Zwei-Staaten-Lösung« begonnen hätten.

Und natürlich kann in der Wahrnehmung Emmanuel Macrons auch dafür nur Jerusalem verantwortlich sein. Dabei hatte es nicht an Warnungen davor gefehlt, daß die Abkehr von einer verhandelten Zwei-Staaten-Lösung und die demonstrative Umgehung der israelischen Regierung bei der Ausweitung diplomatischer Beziehungen zu Ramallah nicht bloß gegen internationale Abkommen verstoßen, sondern eine Zwei-Staaten-Lösung tatsächlich in noch weitere Ferne rücken würden.

Zu erwarten, mit der einseitigen Anerkennung eines »Staates Palästina« werde der schon irgendwie tatsächlich entstehen und von ihm nur Frieden ausgehen, war und ist Wahnsinn, zumal auch erwartbar war, daß dadurch sich die Hamas und ihre Förderer in Teheran bestätigt sehen würden. Emmanuel Macron stellte mit seinem bizarren Auftritt einen israelfeindlichen Brandstifter bloß und dessen »Politik« als eine, die antisemitischen Wahnvorstellungen näher ist als der Vernunft.

Verspielte Chancen

Mitte Juni einigten sich Washington und Teheran unter Vermittlung der Islamischen Republik Pakistan auf eine gemeinsame Absichtserklärung, nach der sie ihre militärischen Auseinandersetzungen beenden und innert 60 Tagen ein umfassendes Friedensabkommen verhandeln wollten. Seine weitgehenden Zugeständnisse an Teheran, darunter die Freigabe eingefrorener Konten, machten die gemeinsame Absichts- tatsächlich zu einer Kapitulationserklärung Washingtons.

Sechzig Tage später ist das angekündigte Friedensabkommen weiter nicht in Sicht, das Mullah-Regime mit einer erneuerten Führung längst wieder konsolidiert, selbst wenn der Erbe des »Revolutionsführers« Ayatollah Seyed Ali Khamenei es vorzieht, die Öffentlichkeit zu meiden. Das Regime mordet in seinem Namen weiter, nimmt brutal Rache an jenen, die in der Hoffnung auf zugesagte »Hilfe« den Aus- und Aufstand gegen den Islamfaschismus gewagt hatten.

Möglicherweise ist das iranische Kernwaffenprogramm gegenwärtig um einige Jahre zurückgeworfen, doch selbst wenn dessen Standorte in Trümmern liegen, läßt sich das dort erworbene Wissen nicht mehr aus der Welt bomben, zumal Teheran wahrscheinlich nach wie vor im Besitz seines illegal auf waffenfähige Reinheitsgrade angereicherten Urans ist. Mit amerikanischer Unterstützung bereitet derweil Riyadh die – zunächst? – zivile Nutzung der Kernenergie vor.

Sah die im Juni vorgestellte Absichtserklärung die Rückkehr zur freien Passage für Handelsschiffe durch die Meerenge von Hormus vor, ist der zivile Schiffsverkehr durch sie drastisch eingebrochen, falls er nicht gerade völlig zum Erliegen gekommen ist. Präsident Donald J. Trump hat zwar amerikanische Ansprüche auf die Handelsroute angemeldet, ob er die Ausdauer hat, sie gegebenenfalls auch tatsächlich durchzusetzen, muß derweil leider bezweifelt werden.

Begann der März 2026 mit der grandiosen Nachricht vom erfolgreichen amerikanisch-israelischen Enthauptungsschlag gegen das islamistische Regime in Teheran, hat sich eine fahrlässige Diplomatie in Washington gegen Jerusalem ausspielen lassen und die durch den gemeinsamen Anfangserfolg errungenen Chancen preisgegeben. Selbst eine Rückkehr des Status quo ante ginge derzeit vermutlich noch als Errungenschaft durch. Das feststellen zu müssen ist bedauerlich.

Worte ohne Konsequenz

Der israelische Premier Benjamnin Netanjahu hat in einer Sitzung seines Kabinetts die vom Board of Peace vorgelegten Pläne für eine »Entwaffnung« der Hamas in Gaza zurückgewiesen. Während der israelische Regierungschef die enge Allianz seines Landes mit den Vereinigten Staaten hervorhob, machte er in den Beratungen deutlich, daß Israel den von Präsident Donald J. Trump vor gut einer Woche als »historisch« gefeierten Kompromiß mit den Islamisten ablehne.

Die israelischen Streitkräfte, wird der Likud-Politiker zitiert, »werden keine Stellungen räumen, solange die Hamas nicht tatsächlich entwaffnet ist«. Die Armee werde weiterhin gegen Bedrohungen durch Terroristen vorgehen. Die islamistische Terrororganisation, die nach wie vor Teile Gazas beherrscht, hatte ihre Zustimmung zu dem von Vermittlern formulierten Vorschlag von der Erfüllung mehrerer Forderungen abhängig gemacht, die für Jerusalem in der Tat unzumutbar sind.

So verlangte die Hamas, daß die israelischen Streitkräfte mit ihren Rückzug beginnen, noch bevor sie selbst überhaupt erste Waffen in die Obhut der »palästinensischen« Übergangsverwaltung übergibt. Zudem will die Terrororganisation vorerst lediglich »schwere« Waffen abgeben, ihre »leichte« Bewaffnung aber behalten. Daß das mit einer Demilitarisierung, wie sie mit dem ursprünglichen Zwanzig-Punkte-Plan des US-Präsidenten vereinbart wurde, wenig zu tun hat, liegt auf der Hand.

Premier Benjamin Netanjahu sollte daher seinen Worten allerdings auch entsprechende Taten folgen lassen. Doch danach sieht es gegenwärtig nicht unbedingt aus. »Netanjahu will Trumps Plan eine Chance geben«, meldet die Jerusalem Post auf ihrer Website und berichtet von zumindest kleineren Bewegungen israelischer Streitkräfte in Richtung der Yellow Line. Das Portal Ynet meldet gar unter Berufung auf das Board of Peace, Israel setze dessen faulen Kompromiß mit der Hamas bereits um.

Würdeloses Appeasement

Stieg Washington während der ersten Amtszeit Donald J. Trumps als Präsident der Vereinigten Staaten aus dem Joint Comprehensive Plan of Action (JCPOA) aus, weil sich die europäischen Vertragspartner weigerten, amerikanische Forderungen nach Änderungen des Abkommens zu unterstützen, vor allem aber aus der Erkenntnis heraus, daß die Beschwichtigungspolitik gegenüber Teheran gescheitert war, ist die US-Regierung nun wieder beim Appeasement angelangt, das sie ablehnte.

Seit Wochen, aus denen längst Monate geworden sind, läßt Präsident Donald J. Trump sich vom Regime in Teheran vorführen, einem Regime, dessen baldiges Ende noch zum Beginn des Jahres sogar ein Friedrich Merz voraussagen zu können glaubte. Und zu diesem Zeitpunkt lebte »Revolutionsführer« Ayatollah Seyed Ali Khamenei sogar noch. Auf Drohungen Washingtons mit vernichtenden Bombardements folgen Ankündigungen des Weißen Hauses wichtiger »Verhandlungserfolge«.

Von denen bleibt dann meist wenig übrig, es bleiben aber eben auch die für diesen Fall versprochenen »Vernichtungsschläge« aus: »Trump weicht erneut zurück, Teheran bleibt standhaft«, höhnte vor wenigen Tagen das in der iranischen Hauptstadt erscheinende islamistische Hetzblatt Kayhan. Drohungen des Weißen Hauses mit militärischer Gewalt sorgen in Teheran allenfalls noch für Kreativität bei der Formulierung noch verschärfterer Forderungen als »Gesprächsangebot«.

Das ist eine Taktik, mit denen Teheran schon bei den Verhandlungen um das iranische Kernwaffenprogramm Erfolg hatte: Im Schutz des JCPOA konnten die Mullahs ihr Rüstungsprogramm so weit vorantreiben, daß sich Jerusalem, zu diesem Zeitpunkt noch unterstützt von Washington, genötigt sah, militärisch einzugreifen. Mögen die Mullahs daher auch technisch nicht in der Lage sein, innert kurzer Zeit eine Bombe zu bauen, ist ihnen das dazu nötige Wissen nicht mehr zu nehmen.

Müssen sie längst nicht mehr um den Erhalt ihres Regimes kämpfen, sind die Mullahs wieder damit beschäftigt, ihren Machtbereich auszudehnen. Mit ihrem Griff nach der Kontrolle über die Meerange von Hormus erklärten sie zwar der ganzen Welt den Krieg. Doch da die sich vor allem in ihrer Ablehnung Israels und Amerikas mit Teheran durchaus einig ist, muß das islamistische Regime von ihr keine Gegenwehr erwarten und kann sich darauf konzentrieren, Washington vorzuführen.

Und die Vereinigten Staaten lassen sich – womöglich gar tatsächlich aus Munitionsmangel – lächerlich machen. Fast schon dankbar wird noch auf das vergiftetste »Gesprächsangebot« eingegangen, jedes Zugeständnis gegenüber dem Mullah-Regime als grandioser Erfolg ausgegeben. Und sollten die Islamisten die Geduld Präsident Donald J. Trumps doch einmal überstrapazieren, retten sie ihn mit neuer »Verhandlungsbereitschaft« davor, den Offenbarungseid leisten zu müssen. Und er läßt es zu.

Fauler Kompromiß

Die Hamas bereitet sich auf ihre angeblich bevorstehende »Entwaffnung« vor, indem sie Schußwaffen unter ihren Mitgliedern verteilt. Nachdem der amerikanische Präsident Donald J. Trump Ende der vergangenen Woche verkündete, die islamistische Terrororganisation hätte gegenüber seinem Board of Peace ihrer Entwaffnung zugestimmt, gibt die Hamas »Handfeuerwaffen« an ihre Mitglieder aus, die nicht von der Einigung erfaßt werden.

Steht eine offizielle Zustimmung der Terrororganisation zu der Vereinbarung, die der US-Präsident am Freitag angekündigt hatte, noch aus, haben die Islamisten schon damit begonnen, ihre Schwachstellen auszunutzen, um ihre tatsächliche Umsetzung zu unterlaufen. Dabei dürfte manche »schwere« Waffe zu einer »leichten« mutieren, wenngleich auch schon »leichte« Maschinenpistolen etwas mehr »beeindrucken« können als etwa eine Glock 43.

Und einzig darauf kommt es gegebenenfalls an. Sollen die »schweren« Waffen der Hamas der Obhut des »Nationalen Komitees zur Verwaltung des Gazastreifens (NCAG)« und dessen zu gründender »Polizei« übergeben werden, kann die Hamas sie dank ihrer »Handfeuerwaffen« jederzeit wieder in ihren Besitz bringen. Dabei sieht die Resolution 2803 des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen eine »Demilitarisierung« Gazas vor.

Basierend auf Donald J. Trumps 20-Punkte-Plan für einen Frieden in Gaza und einen Aufbau zu einem Gebiet, von dem keine Gefahren mehr für Israel ausgehen, bleibt das, was der amerikanische Präsident am Freitag als »großartige« Nachricht präsentierte, weit dahinter zurück: Statt die Hamas zu entmachten und sie für ihre Verbrechen zur Verantwortung zu ziehen, legitimiert dieser Kompromiß den Fortbestand der Hamas-Herrschaft über Gaza.

Weltkulturerbe Hisbollah

Israelische Streitkräfte haben in dieser Woche Tunnelanlagen der Hisbollah im Süden des Libanon zerstört. Die im Gebiet der Festung Belfort angelegten Anlagen dienten der islamistischen Terrororganisation als Kommandozentrale und sollten für Angriffe auf Israel genutzt werden. Bereits am 13. Juli waren Teile des Tunnelsystems gesprengt worden. In den vergangenen Wochen hatte die israelische Armee weitere Abschnitte für die Zerstörung vorbereitet.

Nach Angaben der Regierung in Jerusalem kamen dabei über 700 Tonnen Sprengstoff zum Einsatz, die Explosionen sollen im gesamten Süden des Libanon und dem Norden Israels zu spüren gewesen sein. Der Bau des Untergrund-Netzwerks der Hisbollah hat über zwei Jahrzehnte gedauert und soll vom islamistischen Regime in Teheran finanziert worden sein, als dessen Statthalterin sich die derzeit von Naim Qassem geführte Terrororganisation selbst bezeichnet.

Von Beirut nach Aussagen des libanesischen Außenministers Youssef Raggi bis vor etwa eineinhalb Jahren »toleriert«, haben sich der Libanon und Israel im Juni ein Rahmenabkommen vereinbart, das die Entwaffnung der Hisbollah vorsieht. Ab Dienstag sollen die Verhandlungen zwischen Beirut und Jerusalem in der italienischen Hauptstadt Rom fortgesetzt werden. Im Mittelpunkt stehen dabei weitere Schritte zur Umsetzung des von Washington vermittelten Abkommens.

Auch von den Vereinten Nationen wurden die durch zusammenbrechende Terrortunnel verursachten Erschütterungen wahrgenommen. Und wie immer, wenn der »Widerstand« Verluste zu beklagen hat, ist auch die Weltorganisation empört. »Das Ausmaß der Detonationen und der Zerstörung ist zutiefst besorgniserregend«, ließen sie wissen, es seien »verheerende Auswirkungen auf zivile Infrastruktur sowie das kulturelle und historische Erbe« zu befürchten.

Machtdemonstration

Am Wochenende haben in der Islamischen Republik Iran die »Feierlichkeiten« zum Begräbnis des am 28. Februar bei einem amerikanisch-israelischen Enthauptungsschlag ausgeschalteten »Revolutionsführers« Ayatollah Seyed Ali Khamenei begonnen. Mit der als »Staatstrauer« bezeichneten Inszenierung, die am Donnerstag enden soll, feiert das Mullah-Regime vor allem freilich sich selbst, seinen Haß auf die Vereinigten Staaten und Israel.

Von etwas, das als Trauer charakterisiert werden könnte, weit entfernt, ist das mehrtägige Begräbnis eine politische Großveranstaltung mit – nach Angaben aus Teheran – »mehreren Millionen« Statisten, von denen viele gewiß aus Überzeugung »Tod Amerika!« brüllen oder »Tod Israel!« skandieren, viele aber auch, um nicht ins Visier des allgegenwärtigen Unterdrückungsapparats des Regimes zu geraten. Die »Staatstrauer« ist eine Machtdemonstration.

Waren zum Jahreswechsel die Hoffnungen groß, die Macht des islamistischen Regimes brechen und es zum nächsterreichbaren Teufel jagen zu können, zumal doch insbesondere US-Präsident Donald J. Trump versprochen hatte, »Hilfe« sei längst »unterwegs«, schritt gleichwohl niemand ein, den Blutrausch der Mullahs zu bremsen oder gar zu beenden, der alsbald Zehntausende Menschenleben forderte. Die Welt sah zu, wie das Regime brutal Rache nahm.

Als es Ende Februar den Vereinigten Staaten und Israel gelang, Teile der Führung des Regimes ausschalteten, war die Opposition im Land so weit geschwächt, daß sie den Aufstand schon nicht mehr wagte. Und obwohl das Regime mit Angriffen auf zahlreiche Nachbarstaaten und seiner klar völkerrechtswidrigen Blockade der Meerenge von Hormus die Weltgemeinschaft attackierte, konzentrierte die ihre Ablehnung auf Washington und Jerusalem.

Auch die US-Regierung blieb davon nicht unbeeindruckt und sucht seither einen »Deal« mit dem islamistischen Regime. Daß die Mullahs unter diesen Umständen sich als Sieger wähnen, ist nachvollziehbar. Und so ist es kaum ein Zufall, daß der Beginn ihrer »Staatstrauer« mit all ihren antiamerikanischen und antisemitischen Parolen auf das 250. Jubiläum der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung fiel. Sie ist auch in dieser Hinsicht eine Machtdemonstration.

Deutscher Kniefall

Die Regierung in Berlin hat offenbar nicht die Absicht, sich kritisch zu antisemitische Aussagen des türkischen Außenministers Hakan Fidan zu äußern. Der AKP-Politiker hatte den jüdischen Staat in einem Interview als »gemeinsames Problem der Menschheit« geschmäht. »Diese Menschen« fügte er hinzu, seien »zu einer Last geworden, die die Menschheit nicht länger tragen kann«. In der nächsten Woche ist die Türkei Gastgeberin eines NATO-Gipfeltreffens.

Zählt die Türkei unter der Führung des Hamas-Unterstützers Recep Tayyip Erdoğan nicht erst seit dem 7. Oktober 2023 zu den erklärten Feinden Israels, lehnt Berlin es dennoch ausdrücklich ab, sich von den Äußerungen Hakan Fidans zu distanzieren. Während zwar einzelne deutsche Politiker – auch aus den Regierungsfraktionen – sie kritisieren, will Berlin den kaum verhüllten Aufruf zum Völkermord auch auf Nachfrage von Medien nicht kommentieren.

Erklärte ein gewesener deutscher Außenminister einmal, Berlin betrachte es als seine Aufgabe, auf internationaler Ebene »auch für die Interessen und für die Sicherheit unser israelischen Freunde« einzutreten, ziehen sein Amtsnachfolger Johann Wadephul und »Außenkanzler« Friedrich Merz demonstratives Schweigen vor, werden die Existenz Israels und jene »dieser Menschen« offen zur Disposition gestellt. Sie wagen nicht, den Despoten in Ankara zu verärgern.

Mit seiner tiefen Verbeugung vor dem Islamisten Recep Tayyip Erdoğan und dessen Minister macht sich das offizielle Deutschland zu deren Komplizen. Freilich, als Heiko Maas verkündete, »die Freundschaft zu Israel gehört zu den Grundfesten unserer Politik«, hatte Berlin gerade Jerusalems Bewerbung um einen Sitz im UN-Sicherheitsrat sabotiert. Insofern pflegen Auswärtiges und Kanzleramt mit ihrem Schweigen nur die deutsche Tradition des Verrats an Israel.

Nachtrag: Gegenüber BILD nannte Außenminister Johann Wadephul die Worte Hakan Fidans zwischenzeitlich »energisch«, wie es heißt, »unangemessen«.

Maulende Zaungäste

Mit günstigenfalls wohlwollender Herablassung hat das offizielle Europa das von Washington vermittelte Friedensabkommen zwischen den Regierungen in Jerusalem und Beirut zur Kenntnis genommen. Man erwarte nun, daß »alle Parteien ihre Verpflichtungen erfüllen«, teilte ein Sprecher des Auswärtigen Diensts der EU (EEAS) mit, dessen Chefin Kaja Kallas sich mit antisemitischen Äußerungen zuletzt freilich selbst als Kommentatorin disqualifiziert hatte.

Im Libanon sehen sich Beirut und Jerusalem spätestens seit dem 7. Oktober 2023 verschärft auch mit den Folgen einer über Jahrzehnte propagierten Beschwichtigungspolitik Europas gegenüber dem islamistischen Regime in Teheran konfrontiert. Die unter der Fuchtel der Pasdaran stehende Hisbollah konnte den Libanon durchaus auch im Wortsinn unterwandern und zu einem Brückenkopf des iranischen Vernichtungskriegs gegen den jüdischen Staat machen.

Lange, viel zu lange, wurden ihre Aktivitäten in Europa stillschweigend geduldet, bildete es einen Rückzugsraum für die »Partei Gottes«. Erst 2013 konnte die EU sich zu einer gleichwohl lediglich halbherzigen Ächtung eines »bewaffneten Arms« der Terrororganisation durchringen, während deren Führung selbst immer wieder bekräftigte, daß es innerhalb der Hisbollah keine »Flügel« gäbe. Bis 2020 brauchte die EU, die gesamte »Partei Gottes« als terroristisch »anzuerkennen«.

Doch obwohl das nun über ein halbes Jahrzehnt her ist, scheint die EU noch immer Rücksicht auf die Mullah-Marionetten nehmen zu wollen. Während das israelisch-libanesische Abkommen die Hisbollah unzweideutig als Konfliktursache benennt und es folgerichtig darauf zielt, sie zu entwaffnen und damit zu entmachten, bringt Kaja Kallas’ Lautsprecher Anouar El Anouni nicht übers Herz, sie in seinem Statement überhaupt auch nur namentlich zu erwähnen.

Und auch eine weitere Leerstelle fällt auf in seiner kurzen Mitteilung: Wirklich neu ist nämlich, daß Beirut und Jerusalem in ihrer Vereinbarung das Recht des jeweils anderen Staates auf eine friedliche Existenz anerkennen. Das ist angesichts des formell seit über sieben Jahrzehnten herrschenden Kriegszustands zwischen beiden Staaten keine Selbstverständlichkeit und daher womöglich weit bedeutsamer als die Einigkeit in der Bewertung der Hisbollah.

Fast scheint es, als wolle die Europäische Union mit Anouar El Anounis Verweis auf die Resolution 1701 des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen diese bemerkenswerte Annäherung Beiruts und Jerusalems negieren. Es ist in der Tat überfällig, diesen Beschluß des wichtigsten Gremiums der Vereinten Nationen umzusetzen. Die Vereinbarung zwischen Jerusalem und Beirut geht allerdings darüber hinaus. Für das offizielle Europa offenbar eine Zumutung.