Schlagwort: Alaa Abd El-Fattah

Jugendlicher Haß

Alaa Abd El-Fattah hat den Mord an »Zionisten« gefeiert und zur Nachahmung aufgerufen. »Weiße Männer« sah er ebenfalls lieber tot als lebendig, Briten waren für ihn, der der Staatsbürgerschaft seiner Mutter und inkompetenter Behörden wegen seit 2021 freilich selbst einer ist, »Hunde und Affen«. Er machte »Scherze« darüber, in das Vereinigte Königreich zu kommen, um »eure Frauen zu vergewaltigen«, wetterte internet-öffentlich gegen »dreckige Homosexuelle«.

2014 von der Fraktion Die Linke im Europäischen Parlament (GUE/NGL) für den Sacharow-Preis vorgeschlagen, »die höchste Auszeichnung der Europäischen Union für Bemühungen im Bereich der Menschenrechte«, zogen die Parlamentarier die Nominierung wegen eines »zwei Jahre alten Tweet[s]« wieder zurück, »der aus dem Zusammenhang gerissen wurde«. Alaa Abd El-Fattah erlebte nicht seine erste »Kampagne von Unterstützern der israelischen Apartheid«.

Und obgleich die Liste seiner »jugendlichen Ausrutscher« länger und länger wird, die Alaa Abd El-Fattah Jahre nach seinem 25. Geburtstag »passierten«, stapelt ausgerechnet Der SPIEGEL ihn noch immer zum »Demokratieaktivisten« hoch. »Der britisch-ägyptische Demokratieaktivist«, meldet dieses »Sturmgeschütz der Demokratie«, habe »für antisemitische Posts um Entschuldigung« gebeten. Das reicht offenbar aus, um weiter als Vorbild dargestellt zu werden.

Immerhin, als »Menschenrechtsaktivisten« bezeichnete das »Nachrichtenmagazin« den Hetzer offenbar zuletzt 2022. Gleichwohl stellt sich die Frage, was eigentlich geschehen muß, damit ein sich als »Qualitätsmedium« verstehendes Magazin eine Bezeichnung zurücknimmt, die doch auch nicht erst seit vorgestern alles andere als angebracht scheint. Oder eben umgekehrt: Wann wohl wird Der SPIEGEL die russische Alternative für Deutschland eine Demokratiebewegung nennen?

Bezeichnende Freude

Am Freitag verkündete der britische Premierminister Keir Starmer, er sei »sehr erfreut«, daß »Alaa Abd El-Fattah wieder in Großbritannien und bei seinen Angehörigen ist«. Die Freilassung des »Aktivisten« aus der ägyptischen Haft, ergänzte der Labour-Vorsitzende, hätte für ihn und seine Regierung seit Amtsantritt im Juli 2024 höchste Priorität genossen. Mit seiner Begeisterung für Alaa Abd El-Fattah sorgt Keir Starmers für einige Irritationen.

Der einigermaßen prominente Autor und Regierungskritiker Alaa Abd El-Fattah gilt als eine Führungsfigur des – inzwischen freilich gescheiterten – »Arabischen Frühlings« in Ägypten. Der wohl deshalb mancherorts noch als »Demokratieaktivist« Gefeierte war 2013 bei Protesten festgenommen und zu einer Haftstrafe verurteilt worden, sechs Jahre später wurde er erneut festgesetzt und wegen des »Verbreitens von Desinformationen« zu weiterer Haft verurteilt.

Mehrmals wollte Alaa Abd El-Fattah seine Freilassung mit Hungerstreiks erzwingen, am Ende dürfte es freilich der internationale Druck auf die Führung in Kairo gewesen sein, die zur Begnadigung des »Aktivisten« führten. Nicht nur Keir Starmer setzte sich für ihn ein, neben dem damaligen Kanzler Olaf Scholz verlangten aus Anlaß der in Ägypten stattfindenden Weltklimakonferenz COP27 im November 2022 auch die Vereinten Nationen seine Freilassung.

Doch der angebliche »Demokratieaktivist« ist nicht bloß das Opfer eines von ihm kritisierten Unrechtsregimes, sondern auch ein wüster Antisemit und Hetzer. Mit Aufrufen zum Mord an »Zionisten« und »weißen Männern« nämlich offenbarte Alaa Abd El-Fattah Vorstellungen von Demokratie, die da gewöhnungsbedürftig wirken, wo sie nicht erkämpft, sondern verteidigt werden sollte. Und dazu gehörte es, nicht »hocherfreut« zu sein über seine Anwesenheit.