Schlagwort: Jan van Aken

Vulgärlinke

Wo immer er in den vergangenen Tagen auftreten durfte, ob bei der Sandra Lanz oder dem Markus Maischberger, stand für Jan van Aken, der von Oktober 2024 bis Juni 2026 ihr Vorsitzender war, fest, daß seine Linke es sich ganz und gar nicht gefallen lassen müsse, antisemitisch genannt zu werden. Denn »Antisemitismus wird«, wie er meinte, »in dieser Partei nicht geduldet«, da seien »wir sehr klar«, »wir setzen uns gegen jeden Antisemitismus ein«.

Freilich, da gebe es auch »einige Leute [..], es gibt eine kleine Gruppe von Personen, die sieht das anders«. Diese »paar Leute, die sagen Dinge, die finde ich komplett falsch«. Und dafür kritisiere er sie auch. Doch die »haben auch in dieser Partei nichts zu sagen, die sind keine Mehrheit«. Und daher »haben [die] nicht das Sagen in Berlin, haben nicht das Sagen in der Bundespartei [..], die sind eine kleine Gruppe, die werden keinen Millimeter mitreden«.

Irgendwie verirrt in den Deutschen Bundestag hat sich Cansin Köktürk, eine studierte »Sozialarbeiterin« aus Bochum, die bis 2023 Mitglied bei Bündnis 90/Die Grünen war und seither Jan van Akens Partei angehört, für die sie seit März 2026 ein Mandat im Bundestag ausübt, also vor allem als wüst pöbelnde Zwischenruferin das Parlamentspräsidium beschäftigte. Jetzt bekräftigte sie einmal mehr, was sie von Israel hält, den Vereinigten Staaten und deren Regierungschefs.

»Fickt den genozidalen Apartheidsstaat Israel«, forderte sie ihre Anhänger nach in einer Social Media-Botschaft auf, »befreit die besetzten Gebiete Palästinas«. Und weil ihr das noch nicht reichte, verlangte sie auch noch, »fickt die Kriegsverbrecher Bibi Netanjahu und Donald Trump, fickt die Mainstream-Medien und jeden, der anderer Meinung ist als wir«. Welch ein Glück es doch ist, daß Cansin Köktürk nicht das Sagen hat in der Partei und keinen Millimeter mitreden darf.

Rechtsverteidiger

Wenn Jan van Aken, dem Großen Co-Vorsitzenden der Partei Die Linke, Gedanken zum Löwengebrüll kommen, das seit dem Wochenende die Schlagzeilen bestimmt, unfallt etwas aus ihm heraus, das so geht: »Noch ist das Ziel der Angriffe unklar, aber sie erfolgten jedoch wenige Stunden nach dem Durchbruch bei den Atomgesprächen, in denen der Iran sich zu einem Verzicht auf jegliches atomwaffenfähiges Material zugesichert hat«.

Deutsch und dessen kaputtreformierte Regeln kümmern den Hamburger Biologen offenbar wenig, klar, denn »unsere Gedanken und unser Mitgefühl« sind nämlich völlig damit ausgelastet, »in diesen Stunden bei den Menschen in Teheran, Tel Aviv und der gesamten Region« zu sein. Weshalb er ihnen voller Empathie ernsthaft mitteilen zu müssen glaubt, es sei »zu befürchten, dass Israel und die USA einen Regimewechsel herbeibomben möchten«.

Das wollen die tatsächlich, und sie konnten dabei schon erste Erfolge verbuchen: »Fassungslosigkeit, Trauer, Wut und der Wunsch nach Rache – diese Gefühle herrschten vor, als sich die Bewohner Teherans zu Tausenden versammelten, nachdem sie erfahren hatten, daß die USA und Israel ihren geliebten Führer ermordet« haben, wie die Tehran Times, ein treues Verlautbarungsorgan des Mullah-Regimes, aus der iranischen Hauptstadt fabulieren.

Unterstützung erhält Jan van Aken derweil von seinen ehemaligen Genossen um die Sektengründerin Sahra Wagenknecht. »Der Angriff von USA und Israel auf den Iran ist ein schwerer Völkerrechtsbruch«, gibt die die Richtung vor, »ganz gleich, was man vom politischen System im Iran hält«, bestätigt der BSW-Vizevorsitzende Michael Lüders, »der U.S.-amerikanische und israelische Angriff auf den Iran ist und bleibt völkerrechtswidrig«.

Dem »Experten« ist damit ein Satz gelungen, der immerhin einer ist. Vor allem aber ist er entlarvend: Hinter Völkerrecht verstecken sich tatsächlich mit Vorliebe Regimes, denen ganz und gar nicht gleich ist, was »man« von ihnen hält, die deshalb Untertanen massakrieren, die das Recht zu beanspruchen wagen, von ihnen halten zu dürfen, was sie wollen. Jerusalem und Washington kämpfen für diese Freiheit. Deshalb applaudieren Iraner ihnen, nicht Linker oder dem BSW.

Primat des Zivilen

Jan van Aken, neben Ines Schwerdtner Vorsitzender der Partei Die Linke, verlangt von Bundeskanzler Friedrich Merz, »der israelischen Regierung jede Unterstützung [zu] entziehen«, da er sich sonst »mitschuldig« mache. Seine Forderung krönt der Parteivorsitzende mit dem Satz: »Keine Solidarität mit Hungermördern«. Auf ein abschließendes Ausrufezeichen verzichtet Jan van Aken, was seinen jüngsten Ausfall allerdings nicht besser macht.

Wer gehofft hatte, mit der Abspaltung der Politsekte um Sahra Wagenknecht von der Linken könnte die ihr Antisemitismus-Problem lösen, hat sich geirrt. Nach wie vor bietet Die Linke Gestalten, zu deren Repertoire auch »israelkritische« Hetze gehört, nicht bloß eine politische Heimat, sondern auch eine Karriere. Jan van Aken, der bereits früher den israelischen Premier Benjamin Netanjahu einen »Kriegsverbrecher« schimpfte, ist dafür ein Beispiel.

Während niemand bestreitet, daß die humanitäre Situation in Gaza alles andere als einfach ist, zeugt es gleichwohl von Ignoranz, dafür die israelische Regierung verantwortlich zu machen – und nur sie allein. Doch genau das tut Jan von Aken, der offenbar schon völlig vergessen hat, daß es am 7. Oktober 2023 die Hamas war, die gemeinsam mit ihren Komplizen mit ihrem Überfall auf Israel jenen Krieg lostrat, dessen Folgen er beklagt.

Dabei war der heutige Parteivorsitzende zu diesem Zeitpunkt selbst für die parteinahe Rosa Luxemburg Stiftung (RLS) in Tel Aviv tätig. Freilich hatte die schon drei Tage nach dem bösartigsten antisemitischen Pogrom seit Ende des Zweiten Weltkriegs mit dem Vorwurf, »Israels Regierung hat nichts zu bieten außer Rache«, und ihrer Forderung nach einem »Ausstieg aus der Logik der Gewalt« Israels Recht (und Pflicht) zur Selbstverteidigung geleugnet.

Und seither ist es nicht besser geworden. Inzwischen wird der Linken von ihrer »Denkfabrik« RLS geraten, »für inklusive Solidarität einzutreten, ganz konkret und manchmal auch lauter als bisher, wenn es [..] um Repression gegen die Gaza-Proteste und Widerstand gegen einen genozidalen Krieg [..] geht«, also sich mit dem antisemitischen Mob zu verbünden, der in Europa und Amerika zur Hatz auf Juden bläst. Was macht eigentlich Bodo Ramelow?