Schlagwort: Arroganz

Master and Servant

Ab und an ist die Propaganda des PLO-Regimes erfrischend ehrlich: So läßt sie in diesen Tagen ihre »Nachrichtenagentur« Wafa von einem Treffen berichten, bei dem in der ägyptischen Hauptstadt Kairo Muhannad Al-Aklouk, der »palästinensische« Vertreter bei der Arabischen Liga, eine Reihe diplomatischer Repräsentanten Belgiens empfing. Das Königreich gehört zu den besonders »israelkritischen« Mitgliedern der Europäischen Union.

Doch ganz offenbar hat das Land seine Hausaufgaben noch nicht zur vollen Zufriedenheit »Palästinas« gemacht. Und deshalb mußte »Botschafter« Muhannad Al-Aklouk in Kairo wohl recht deutlich werden gegenüber seinen, nun ja, europäischen Vasallen: In den Worten von Wafa »forderte er Belgien« nämlich nicht bloß »auf, die im September 2025 angekündigte Anerkennung des Staates Palästina« endlich »abzuschließen«.

Doch auch im Rahmen der EU scheint das belgische Engagement aus Sicht Ramallahs noch ausbaufähig: Muhannad Al-Aklouk »forderte« das Land nämlich auf »ein Abkommen über eine strategische Partnerschaft zwischen der Europäischen Union und dem Staat Palästina zu unterstützen«, wie wiederum Wafa formuliert. Doch auch damit hatte die Standpauke des »Botschafters« aus Ramallah noch nicht ihren Höhepunkt erreicht.

»Der Ständige Vertreter des Staates Palästina bei der Arabischen Liga, Botschafter Muhannad Al-Aklouk, forderte Belgien auf«, heißt es bei Wafa schließlich herrlich unverblümt, »der Regierung Palästinas die notwendige finanzielle Unterstützung zu gewähren, damit diese ihre Verpflichtungen erfüllen« könne. Worauf die Belgier nicht prompt abreisten, sondern, Selbstachtung scheint ihnen ein Fremdwort, noch von einem »geeinten Palästina« schwärmten.

Entlarvende Empörung

Das französische Staatsoberhaupt Emmanuel Macron hat mit Empörung auf ein Schreiben des israelischen Premierministers Benjamin Netanjahu reagiert, in dem der dem französischen Präsidenten mitverantwortlich macht für die Zunahme des Antisemitismus in dem europäischen Land. Solche Vorwürfe, heißt es aus Paris, seien »verwerflich und irrig«. Frankreich schütze »seine jüdischen Bürger und werde« dies immer tun.

Auch der französische Europaminister Benjamin Haddad wies die Vorwürfe des israelischen Regierungschefs zurück. »Frankreich«, ließ er wissen, habe »im Kampf gegen Antisemitismus keine Lektionen zu lernen«. Das Schreiben Benjamin Netanjahus, kündigte die Präsidialverwaltung in Paris weiter an, werde »nicht unbeantwortet bleiben«. Frankreich will in diesem September »Palästina« offiziell als Staat anerkennen.

Die wütenden französischen Reaktionen auf den Brief aus Israel sind bezeichnend. Selbst wer nicht jede Entscheidung des israelischen Ministerpräsidenten für besonders weise hält, wird kaum leugnen können, daß seine Vorwürfe begründet sind. Bewog das antisemitische Klima schon lange vor 2023 viele französische Juden dazu, dem Land dauerhaft den Rücken zu kehren, hat das Ausmaß antisemitische Vorfälle seither weiter dramatisch zugenommen.

Allein im 1. Quartal 2024 etwa stieg die Zahl judenfeindlicher Angriffe in Frankreich im Vergleich zum gleichen Vorjahreszeitraum um mehr als 300 Prozent. Den Organisatoren einer von vielen gesellschaftlichen Akteuren noch im November 2023 mitgetragenen Demonstration in Paris gegen den verbreiteten wahnhaften und nicht selten tödlichen Haß auf Juden hatte das französische Staatsoberhaupt da schon die kalte Schulter gezeigt.

Und auch mit seinem Einsatz beispielsweise gegen die Teilnahme israelischer Unternehmen an internationalen Ausstellungen für militärische Güter in dem Land zeigte Emmanuel Macron neben seiner steten »Kritik« am Vorgehen Israels gegen die Hamas in Gaza, die Hisbollah im Libanon oder das islamistische Regime in Teheran, wo jedenfalls er steht. Und natürlich bestätigte und befeuert er damit den Antisemitismus.

Die freilich bereits mehrfach verschobene Anerkennung »Palästinas« als Staat durch Paris, die ausdrücklich als »Drohung« gegen Jerusalem gerichtet ist, bestätigt nur endgültig, daß das Frankreich Emmanuel Macrons sich an der Seite der Feinde jüdischer staatlicher Souveränität sieht. Und das bleibt eben auch nicht folgenlos für die Lage in Frankreich selbst. Mit seiner selbstgefälligen Empörung stellt Paris sich einmal mehr selbst bloß.

Germany first

Am Freitag hat der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz Peking besucht. Seit sich Staats- und Parteichef Xi Jinping im Oktober vom Nationalen Parteikongreß im Amt hatte bestätigen lassen, war der deutsche Sozialdemokrat der erste westliche Regierungschef, der mit dem Despoten den Austausch suchte, der die Volksrepublik China in atemberaubenden Tempo zu einer »modernen« Diktatur umgestaltet.

Plakatierte die SPD im letzten Europa-Wahlkampf noch »Europa ist die Antwort« und plädierte Olaf Scholz erst vor wenigen Wochen selbst noch für eine europäische Außenpolitik, über deren Ausrichtung Mehrheitsentscheidungen bestimmen sollen, ignorierte der deutsche Regierungschef mit seiner Reise nicht nur Kritik aus den eigenen Reihen, sondern stieß mit ihr auch europäische Partner vor den Kopf.

Verschaffte der Sozialdemokrat der chinesischen Propaganda die gewünschten Bilder, verschärfte er mit seiner Visite, die auch noch auf eine Initiative Pekings zurückgehen soll, die Spannungen innerhalb der Europäischen Union: Statt sich insbesondere mit Paris abzustimmen, zog Olaf Scholz erneut einen nationalen Alleingang vor, dessen Auswirkungen freilich nicht auf Deutschland beschränkt bleiben dürften.

Wie schon mit seiner alle Warnungen aus Europa, aber auch aus Übersee ignorierenden Politik gegenüber Rußland, die eben nicht nur verdiente Folgen für Deutschland hat, sondern Europa und die Welt trifft, führt Berlin auch diesmal vor, daß es kein verläßlicher Partner ist und sein will, sondern im Zweifelsfall rücksichtslos nationale Interessen verfolgt, selbst wenn der deutsche als Holzweg erkennbar ist.