Schlagwort: Berlinale

Inkonsequenz

Wie aus der deutschen Hauptstadt gemeldet wird, haben die teils mit handfesten Drohungen verbundenen antisemitischen Ausfälle und der Applaus für sie während der als »Filmfestival« wohl nur unzureichend beschriebenen diesjährigen Berlinale keine negativen Folgen für Beteiligte und Verantwortliche. Stand zuvor eine Abberufung von Berlinale-Chefin Tricia Tuttle im Raum, endete eine von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer einberufene »Krisensitzung« ergebnislos.

Zuvor hatten sich 700 »Filmschaffende«, darunter die als antisemitische Aktivistin hinreichend berüchtigte Tilda Swinton sowie der deutsche Regisseur Tom Tykwer, in einem Schreiben gegen die Abberufung der Amerikanerin ausgesprochen. Neben der Deutschen Filmakademie hatte es sich auch die Europäische Filmakademie nicht nehmen lassen, sich mit Tricia Tuttle zu solidarisieren und vor angeblichen Versuchen einer »politische Einflußnahme« zu warnen.

Antisemitismus und kaum verhüllte Drohungen mit Gewalt, denn um nichts anderes handelte es sich, als etwa der »Filmschaffende« Abdallah Alkhatib mit dem auch bei den Babyschlächtern und Vergewaltigern der Hamas überaus beliebten »Palituch« über der Schulter verkündete, »wir werden uns an jeden erinnern, der gegen uns war«, gelten auch im mit staatlichen Mitteln üppig gemästeten deutschen »Kulturbetrieb« als schützenswerter Ausdruck von »Meinungsfreiheit«.

Es ist bedauerlich, daß Wolfram Weimer darauf verzichtete, in der »Krisensitzung« seinen »politischen Einfluß« gegenüber Gestalten geltend zu machen, die nicht das geringste Problem damit haben, sich und ihre international kaum konkurrenzfähigen »Werke« durch staatliche Subventionen finanzieren zu lassen. Die CDU hat am Wochenende gefordert, deutsche und europäische Zuwendungen an »Palästinenser« vom Bekenntnis zum Existenzrecht Israels abhängig zu machen.

Es wäre nach dem entlarvenden Applaus für Abdallah Alkhatib sowie angesichts der Erfahrungen vergangener Berlinalen und anderer »Kunstausstellungen«, die es ohne staatliche Förderung so kaum gäbe, wohl mehr als angebracht, ähnliche Forderungen an die zu stellen, denen jene eine Bühne bieten. Ihre »Meinungen« und Neigungen dürfen sie gern haben. Kein Recht jedoch gibt es auf eine staatliche Alimentierung von Haß auf Juden, den jüdischen Staat oder die jüdische Demokratie.

Preisgekrönter Haß

In der deutschen Hauptstadt endete mit der feierlichen Übergabe eine inflationären Zahl von Preisen und Auszeichnungen, zu denen sich auch noch Besondere Erwähnungen gesellten, die 76. Berlinale. Auch in diesem Jahr freilich gelang es der Leitung des mit einigen Steuermitteln ermöglichten Filmfestivals günstigenfalls unzureichend, seinen Mißbrauch durch zum Antisemitismus konvertierte »Filmschaffende« zu unterbinden.

Solidarisierten sich zu Beginn der Veranstaltung »mehr als 80« Gestalten aus der Branche, anfänglich waren es 81, zwischenzeitlich sind es 104, in einem Offenen Brief mit »palästinensischen« Babyschlächtern und Vergewaltigern und forderten in totalitärer Manier, die Berlinale müsse sich ihnen anschließen, ließ es sich zum Abschluß der in Deutschland lebende Abdallah Alkhatib nicht nehmen, auf offener Bühne antisemitische Hetze zu verbreiten.

Während es offenbar lediglich ein Gast der Gala, Bundesumweltminister Carsten Schneider, für angemessen hielt, gegen den Auftritt des nach eigener Auskunft »palästinensisch-syrischen« Preisträgers zu protestieren, wird zu Abdallah Alkhatibs unverhüllter Drohung, »wir werden uns an jeden erinnern, der gegen uns war«, aus dem Publikum vor allem von Applaus berichtet und von lediglich vereinzelten Zwischenrufen unklaren Inhalts.

Der 1989 in der syrischen Hauptstadt geborene »Filmschaffende« und »Verteidiger von Menschenrechten« dürfte in seiner Jugend übrigens eine Schul- und Ausbildung durch die UNRWA erfahren haben, das berüchtigte »Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten«, das ihn »vor der Revolution 2011« in Yarmouk, einem Vorort der syrischen Hauptstadt, auch als »Koordinator« in einem seiner Jugendzentrum beschäftigte.

Hätte Abdallah Alkhatib mit einiger Berechtigung die Verfolgung und Bestrafung des ehemaligen syrischen Tyrannen Bashar al-Assad fordern können, der die »Hauptstadt der palästinensischen Diaspora« ab Juli 2013 abriegeln, aushungern und schließlich 2015 mit Brandbomben dem Erdboden gleichmachen ließ, zog der Berlinale-Preisträger es vor, mit Kuffeyeh über der Schulter die jüdische Demokratie zu verleumden. Und erntete dafür überwiegend Applaus.

Freiheitsfeinde

Die mancherorts als seriöse Quelle geltenden Vereinten Nationen erklärten am 2. Oktober 2023 auf der Website ihres »Hilfswerks für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten«, die wegen ihrer guten Beziehungen zur Hamas berüchtigte UNRWA, daß Gaza über einer »Bevölkerung von etwa 2,1 Millionen Menschen« verfüge. Heute sind es nach den Angaben der gleichen Organisation an der gleichen Stelle »2,4 Millionen Menschen«.

Gleichwohl glauben »mehr als 80«, derzeit sind es 81, Gestalten, die sich selbst als »Filmschaffende« bezeichnen, in einem Offenen Brief anprangern zu müssen, daß das in diesen Tagen in der deutschen Hauptstadt stattfindende Berlinale-Filmfestival ohne eine »offizielle« Verurteilung eines »Völkermords« in Gaza begann und, geht es nach Wim Wenders, der der international besetzten Jury der Veranstaltung vorsitzt, auch enden könnte.

Denn, so der Jurypräsident, »wir müssen uns aus der Politik heraushalten«. Nachdem die letzte Ausgabe der Berlinale sich der schottischen BDS-Aktivistin und »Filmschaffenden« Tilda Swinton, die das Festival eigentlich hatte boykottieren wollen, noch bereitwillig als Bühne andiente für Hetztiraden gegen den jüdischen Staat und auch sonst allerlei antisemitischem Pöbel ein Podium bot, ist der Hinweis des Regisseurs zwar begrüßenswert.

Er führt freilich auch in die Irre. Denn das, worum es Tilda Swinton 2025 ging und auch in diesem Jahr als Unterzeichnerin des Offenen Briefs geht, hat mit Politik allenfalls am Rande zu tun. Die Schottin und ihre Mitunterzeichner, darunter etwa Javier Bardem, der sich gern mit der Kuffeyeh zeigt, jenem Kleidungsstück, das auch die Babyschlächter und Vergewaltiger der Hamas zu schätzen wissen, sind schlicht Antisemiten.

Sie sind von einem Wahn Befallene, der ohne Fakten und ohne Bezug zur Realität auskommt. Die Bevölkerung Gazas ist seit Oktober 2023 um etwa 300.000 Menschen gewachsen – und dennoch verbreiten sie das Märchen von einem »andauernden Völkermord«, der dort stattfinde. Und sie haben keinen Respekt vor demokratischen Grundwerten, zu denen eben auch die Freiheit zählt, sich nicht zu jedem Thema »richtig« zu positionieren.

Dieser mit dem Pamphlet zum Ausdruck gebrachte Totalitarismus wäre freilich ein guter Grund für das Festival, sich politisch zu äußern: Nicht »nur« gegen Antisemitismus, sondern für demokratische Werte. »Filmschaffende« müssen keine Demokraten sein. Und wer lieber mit Boykottdrohungen Diskussion und Widerspruch ausschließen will, ist kein Demokrat. Solche Gestalten darf ein Festival aber durchaus ächten, das Kunstfreiheit feiern will.

Förderschwerpunkt Antisemitismus

Am Abend endet mit der traditionellen »Bärengala« die Berlinale 2025. Prägten antisemitische Ausfälle von Teilnehmern wie Gästen das »Filmfestival« bereits im vergangenen Jahr, ist der mehr oder minder offen vorgetragene Haß auf Juden und den um seine Existenz ringenden jüdischen Staat auch in diesem Jahr fester Bestandteil des Programms der einst international einigermaßen renommierten Veranstaltung.

Schon vor Beginn des »Filmfestivals« distanzierten sich die Veranstalter ausdrücklich von einer Resolution des Deutschen Bundestags gegen Antisemitismus, auf die sich die Volksvertreter 2024 verständigt hatten, und adelten damit den Wahn, dessen Folgen gerade in dieser Woche wieder durch die Babyschlächter der Hamas in Gaza vorgeführt wurden, als respektable »Meinung«. So war denn der Boden bereitet für Tilda Swinton.

Die schottische Schauspielerin ist eine bekennende Unterstützerin der antisemitischen BDS-Bewegung, die für die Ausgrenzung und Stigmatisierung von Juden wirbt und allen, die sie in Verbindung bringt mit Israel. Für die Berlinale, der »der Schutz vor Diskriminierung« nach eigener Auskunft »wichtig« ist, war das derweil kein Grund, Tilda Swinton nicht schon zur Eröffnung für deren »Lebenswerk« zu ehren.

Die Darstellerin bedankte sich mit einer Rede, in der Israel zwar nicht namentlich vorkam, die aber gleichwohl erkennbar den jüdischen Staat zum Ziel hatte. Gehört Tilda Swinton zu den Unterzeichnern eines Aufrufs, das Festival zu boykottieren, begründete sie ihre Teilnahme mit den Worten, »ich habe beschlossen, dass es für mich wichtiger war, zu kommen«, da die Veranstaltung ein Plattform biete »für unser aller Anliegen« zu werben.

Was »unser aller Anliegen« ist, erklärte dann etwas später ein »Filmemacher« aus Hong Kong, der einen Text eines seiner Darsteller vortrug, in dem der von einem »freien Palästina« träumte, und zwar »from the river to the sea«. Der Protest einiger Zuschauer gegen diese Hamas-Parole und das, was sie bedeutet, ging in den lautstarken Beifallsbekundungen des kulturbegeisterten Hauptstadtpublikums beinahe unter.

Noch hat die »Bärengala« als krönender Abschluß der 75. Berlinale nicht begonnen. Doch es ist bereits völlig gleichgültig, welche Tiefpunkte diese Preisverleihung noch bieten wird: Die auch in diesem Jahr wieder von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien – Claudia Roth – mit öffentlichen Mitteln finanzierte Veranstaltung war erneut das, was (nicht bloß) eine bigotte Tilda Swinton zur Anreise bewegte.

Entlarvende Frage

Der Bundestagsausschuß für Kultur und Medien hat sich in einer öffentlichen Sitzung am Mittwoch »mit antisemitischen beziehungsweise antiisraelischen Äußerungen während des Internationalen Filmfestivals in Berlin« beschäftigt. Unter teilweise begeistertem Applaus des Publikums hatten Teilnehmer und Preisträger der einstmals renommierten Veranstaltung deren Abschlußgala zu antisemitischen Angriffen auf Israel genutzt.

Im Publikum hatten damals auch der Regierende Bürgermeister der deutschen Hauptstadt Kai Wegner und Claudia Roth gesessen, die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, und stellenweise mitgeklatscht. Während der CDU-Politiker seinen Applaus mit mangelnden Sprachkenntnissen zu rechtfertigen suchte, versuchte Claudia Roth nun in der Sitzung des Bundestagsausschusses, ihr blamables (Nicht-)Verhalten zu erklären.

»Was«, fragte sie nach einem Bericht der Zeitung Die Welt indigniert, »was wäre das bitte für ein Bild gewesen«, hätte sie sich selbst auf die Bühne begeben und den Verleumdungen des jüdischen Staates widersprochen? Wie aussah, was tatsächlich geschehen ist, das ist in der Aufzeichnung der »Bärengala« dokumentiert: Auf offener Bühne und unter tobendem Beifall wurde Israel widerspruchslos angegriffen, verleumdet, ins Unrecht gesetzt.

Claudia Roth selbst diagnostizierte hinterher »tiefgehenden Israel-Hass«. Und das macht ihre Frage doch interessant: Wie hätte es ausgesehen, wäre sie – oder wäre auch nur ein beliebiger anderer Gast der Gala – aufgesprungen und hätte die Bühne für Widerspruch genutzt? Danach möglicherweise, daß »Nie wieder ist jetzt« oder die zeitlose Beschwörung, »Antisemitismus hat bei uns keinen Platz«, mehr sind als bedeutungslose Phrasen für Sonntagsredner?

Was wäre das bitte für ein Bild gewesen, hätte Kanzler Olaf Scholz, Claudia Roths unmittelbarer Vorgesetzter, im August 2022 »Palästinenserpräsident« Abu Mazen unmittelbar widersprochen, als der Israel nicht »nur« einen Holocaust an »Palästinensern« nachsagte, sondern Dutzende? Es wäre ein Bild gewesen, von dem tatsächlich die Botschaft hätte ausgehen können, daß Antisemitismus in Deutschland nicht gesellschaftsfähig ist, nicht salonfähig.

Allerletzte Klappe

Wenn das so intransparent wie üppig vom Staat gemästete Kultur-Establishment Deutschlands eine Kunst beherrscht, dann ist es die der als Heldentat inszenierten Selbstdemontage. Stand man eben noch tapfer auf gegen ein paar blaubraune Nazis und feierte sich für dieses »Engagement für eine freie, tolerante Gesellschaft und gegen Rechtsextremismus«, das »zur DNA der Berlinale gehört« war man kurz darauf so frei, offen in antisemitische Raserei zu verfallen.

Was diese Berlinale zum Problem macht, sind weniger die Ausfälle »Kunstschaffender«, die sich demonstrativ jenen Fetzen über die Schultern hängten, den auch die Kinderschlächter und Vergewaltiger der islamistischen Hamas trugen, als sie am 7. Oktober 2023 bestialisch über ihre jüdischen Opfer herfielen. Das Problem ist die Reaktion des Publikums auf sie: kollektiver Applaus, in den auch mancher einstimmte, der sich jetzt wortreich empört gibt.

Niemand ist aufgestanden und hat widersprochen oder wenigstens den Saal verlassen, als auf offener Bühne schon durch ihren Halstücher erkennbare Hamas-Sympathisanten ihren Antisemitismus auslebten, von einem »Genozid« in Gaza faselten, »Palästina« befreien wollten. Davon, was die islamistischen Barbaren und ihre »zivilen« Helfershelfer am 7. Oktober 2023 anrichteten, ein Pogrom, das sie für ganz Israel planten, allerdings schwiegen diese »Aktivisten«.

Jetzt will Claudia Roth, auch sie gehörte zu den Beifallsspendern, denen es erst nach einer viel zu langen Denkpause gelang, »tiefgehenden Israel-Hass« zu diagnostizieren, als Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien will jetzt »Aufarbeitung« betreiben, Kai Wegner, der Regierende Bürgermeister Berlins, der »angeblich nicht gut Englisch versteht«, kündigte »Gespräche« mit Claudia Roth und der Leitung der Berliner Filmfestspiele an und fordert »Aufklärung«.

Vom »kunstschaffenden« Publikum der Abschlußgala der Berlinale 2024 bleiben derweil nur sein begeisterter Applaus und sein mit jedem Tag seither lauter werdendes Schweigen danach. Es hat ganz offenbar nichts richtigzustellen und nichts zu bedauern. Aber falls mal wieder dekoratives »Engagement für eine freie, tolerante Gesellschaft und gegen Rechtsextremismus« gebraucht werden sollte, all diese »Kunstschaffenden« werden gewiß nicht zögern.