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Antirassismus

In den Vereinigten Staaten hielten auch in der vergangenen Nacht die »Anti-Rassissmus-Proteste« an, wie die tagesschau sie taufte. In Los Angeles verwüstete der Mob dabei auch Synagogen, um antisemitische Schmierereien zu hinterlassen, plünderte Geschäfte für koschere Lebensmittel und brach in jüdische Schulen ein. Antirassismus und antisemitische Gewalt schließen sich offenbar nicht aus.

Begrüßt das am Ort des Geschehens ansässige Simon Wiesenthal Center vor diesem Hintergrund eine Ankündigung des amerikanischen Präsidenten, eine für die »Proteste« verantwortlich gemachte »Antifa« als »terroristische Organisation« zu ächten, klingt das nachvollziehbar: Wüste Gewalt gegen jüdische Einrichtungen will als Argument gegen unterstellten Rassismus nicht recht überzeugen.

In Deutschland freilich gibt es so manchen, der das wohl anders sieht. Mit seiner Stellungnahme habe das Simon Wiesenthal Center seine »moralische Legitimation« verspielt, stellt etwa Sergey Lagodinsky lakonisch fest, »schade« sei das zwar, »aber nicht überraschend… [sic!]«. Unklar bleibt, was der »rechtspolitische Sprecher« der Grünen im Europäischen Parlament damit andeuten möchte.

Während die »moralische Legitimation dieses Centers« also jetzt offenbar »endgültig im Eimer« ist, fällt es freilich schwer, einem Repräsentanten von Bündnis 90/Die Grünen etwas wie moralische Integrität überhaupt nachzusagen, einer Partei, deren Prominenz mit den islamistischen Herrschern von Teheran schmust und die fest zu einem Unterstützer der BDS-Bewegung wie Omid Nouripour hält.

Sergey Lagodinsky könnte den antisemitischen Mob in Los Angeles kritisieren, er könnte sich auch Präsident Donald J. Trump vorknöpfen, der mit einem »Antifa«-Verbot nämlich sicherlich das Problem rassistischer Polizeigewalt nicht lösen wird können. Nein, Sergey Lagodinsky geht ausgerechnet eine NGO an, die sich der Bekämpfung von Antisemitismus widmet. Schade, aber nicht überraschend …

Berliner Widerspruch

Die ablehnende Reaktion Berlins auf die Plazierung ihres Vertreters bei den Vereinten Nationen auf der vom Simon Wiesenthal Center vorgestellten Liste der bedeutendsten antisemitischen Vorfälle der vergangenen zwölf Monate ist keine Überraschung. Mehr noch als die beschämende Plazierung selbst stellt sie allerdings eine Regierung bloß, die ihr Bekenntnis gegen Antisemitismus nie ernst meinte.

Das SWC rügt mit seiner Liste das Abstimmungsverhalten Christoph Heusgens, des deutschen UN-Botschafters, der am Freitag sieben von acht gegen Israel gerichteten Resolutionen in der UN-Vollversammlung zustimmte und sich bei einer enthielt. Alle acht Beschlüsse wurden von Jerusalem und Washington abgelehnt; Kanada votierte gegen sechs Resolutionen und enthielt sich bei zwei weiteren.

Nach Auskunft Berlins spiegeln auch die Voten Christoph Heusgens am Freitag nur die Haltung der deutschen Regierung. Sein »Abstimmungsverhalten wird in Berlin und nicht in New York festgelegt«, erklärte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts dazu gestern, das sich, wie sie ergänzte, »schon lange ausdrücklich und auf vielfache Weise gegen eine unfaire Behandlung Israels« einsetze.

In der Tat hat Außenminister Heiko Maas erklärt, »bis heute« werde Israel »in UN-Gremien in unangemessener Form angeprangert, einseitig behandelt und ausgegrenzt«, und »diesen Zustand« als »schmerzlich und unbefriedigend« bezeichnet. An dieser Stelle drängt sich jedoch die Frage auf, welchen Anteil die Anweisungen Berlins an Christoph Heusgen an diesem »Zustand« haben könnten.

Deutschland stimmt praktisch immer mit der Mehrheit der UN-Vollversammlung. Setzt es sich damit »gegen eine unfaire Behandlung Israels« ein, tut das zugleich auch die überwiegende Mehrheit der Mitglieder der Vollversammlung der Weltorganisation. Wie kommt dann aber Heiko Maas darauf, Israel werde »in unangemessener Form angeprangert, einseitig behandelt und ausgegrenzt«?

Meint er mit seinem Vorwurf etwa das Abstimmungsverhalten der Vereinigten Staaten, das Israels oder etwa jenes der Repräsentanten Kanadas? Sitzen die Feinde Israels also in Washington, Jerusalem oder Ottawa und die Freunde des jüdischen Staates in Damaskus, Beirut und Teheran, die ja stets ähnlich votieren wie Berlin? Oder könnte es sein, daß die Kritik des SWC einfach nur zutrifft?

Ehre, wem Ehre …

Das kurz vor seinem Ende stehende Jahr 2019 war von einer weiteren Zunahme des Antisemitismus in aller Welt geprägt. Und so dürfte es auch in den vergangenen Tagen keine allzu leichte Aufgabe für das Simon Wiesenthal Center gewesen sein, aus all den Meldungen über antisemitische Vor- und Ausfälle die zehn bedeutendsten für seine jährliche »Hitparade des Antisemitismus« auszuwählen.

In diesem Jahr gehört Christoph Heusgen zu den »Preisträgern«, christdemokratischer Politiker, der lange die deutsche Kanzlerin Angela Merkel beraten hat und Deutschland derzeit bei den Vereinten Nationen vertritt. Als deutscher Botschafter bei der Weltorganisation stimmte Christoph Heusgen auch 2019 wieder vielen antiisraelischen Beschlüssen zu, wie das SWC seine Plazierung begründet.

Und in der Tat muß man nicht lange nach Belegen suchen, die die Erklärung des Simon Wiesenthal Centers stützen: Erst wenige Tage ist es her, daß Deutschland in der Vollversammlung der Vereinten Nation eine Resolution unterstützte, die zum Boykott von Juden aufruft. Im März setzte Christoph Heusgen in einer Rede den Terror der Hamas mit israelischen Sicherheitsmaßnahmen gleich.

In Berlin wies man unterdessen die Plazierung Christoph Heusgens durch die in Los Angeles beheimatete NGO – er ist der erste Diplomat der Bundesrepublik Deutschland auf der SWC-Liste – mit der Begründung zurück, er stimme »auf Weisung der Bundesregierung« ab. Recht hat Berlin damit: Nicht Christoph Heusgen sollte »ausgezeichnet« werden, sondern die Regierung Angela Merkels.

Integrativer Antisemitismus

Als Irina Bokova 2017 die Stadt Sharjah in den Vereinigten Arabischen Emiraten (UAE) zur »Weltbuchhauptstadt 2019« erkor, wollte die Chefin der UNESCO damit ganz ausdrücklich deren »Bemühungen« anerkennen, »möglichst vielen Menschen, insbesondere der marginalisierten Bevölkerung, das Lesen als Motor für soziale Eingliederung, Kreativität und Dialog zugänglich zu machen«.

Zwei Jahre später propagiert eine von der Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur geförderte Buchmesse in Sharjah offen Antisemitismus, wie das Simon Wiesenthal Center (SWC) beklagt: Vielen Ausstellungsständen präsentierten Adolf Hitlers »Mein Kampf«, die »Protokolle der Weisen von Zion« und zahllose weitere antisemitische Verschwörungstheorien.

»In einer Zeit, in der es angesichts gemeinsamer Feinde zu einer Annäherung zwischen zahlreichen arabischen Staaten und Israel kommt, muß die Ausstellung auf junge arabische Leser wirken, als teile die UNESCO gerade auch von Hamas und Hisbollah verbreitete Vorurteile über Juden«, kritisiert Shimon Samuels, der SWC-Direktor für internationale Beziehungen, das Engagement der UNESCO.

In einem Schreiben an Audrey Azoulay, die heute der UNESCO als Generaldirektorin vorsteht, bezeichnet er Sharjah deshalb als »Welthauptstadt antisemitischer Hetze«, die derzeitige Buchmesse in Sharjah sei die »bösartigste« unter vielen anderen, und ausgerechnet sie werde von der UN-Organisation gefördert. Deutschland ist derzeit übrigens ihr nach Japan und China drittgrößter Beitragszahler.

Verdienter Preis

Das in wenigen Tagen endende Jahr 2018 war leider wieder ein Jahr, in dem in aller Welt Antisemitismus zu beobachten war. Der »älteste Haß« zeigte sich auch 2018 auf so vielfältige Weise, daß das Simon Wiesenthal Center (SWC) erneut wohl einige Schwierigkeiten hatte, aus all den Meldungen der vergangenen zwölf Monate über Antisemitismus nur die zehn herausragendsten auszuwählen.

Prominent auf die Liste haben es in diesem Jahr die Vereinten Nationen mit ihrem »Hilfswerk für Palästina-Flüchtlinge« geschafft, der United Nations Relief and Works Agency for Palestine Refugees in the Near East (UNRWA), der das Simon Wiesenthal Center bescheinigt, die Herrschaft der Hamas in Gaza möglich zu machen und zu unterstützen. Die Vorwürfe der NGO sind nur allzu berechtigt.

Die Islamisten, die seit einem Putsch 2007 in Gaza herrschen, haben es sich zur Aufgabe gemacht, Israel zu vernichten, ihr Heiliger Krieg gilt allen Juden auf der Welt. Diesen Zielen ordnen sie rücksichtslos alles unter und haben es so geschafft, vor allem den ihnen ausgelieferten »Palästinensern« das Leben zur Hölle zu machen, in der es keine Perspektiven und aus der es kein Entrinnen gibt.

Die UNRWA unterstützt die Hamas, indem sie ihrer Herrschaft Legitimität verleiht. An ihren Schulen in Gaza vermittelt die Agentur der Vereinten Nationen Kindern das Weltbild der Hamas, das geprägt ist vom Haß auf Juden und Israel. Und indem sie zumindest für eine Grundversorgung der Menschen sorgt, bewahrt sie das brutale Regime der Islamisten zugleich vor dem Zusammenbruch.

Auch und gerade durch ihre seltsame Definition dessen, was ein »Flüchtling« ist, und das durch sie propagierte »Recht auf Rückkehr« – nach Israel – trägt die UNRWA dazu bei, die Hamas zu stützen und ihr gleichzeitig Generation um Generation zuzutreiben. Das UN-»Hilfswerk« hat seinen Platz auf der Liste des SWC verdient, das damit auch dessen unbelehrbare europäische Sponsoren blamiert.