Schlagwort: Propaganda

Normalität

Angenommen, der Moderator eines israelischen Radiosenders stellte seinem Gesprächspartner die Frage, »wie groß [..] überhaupt die Zahl der Palästinenser« sei, »die noch Frieden, Verständigung und Ausgleich mit den Israelis wollen«, die in die Gegend entsandten Berichterstatter im ARD-Studio in Tel Aviv würden wohl hellhörig. Antwortete der Befragte dann noch, »diese Gruppe ist in der Tat nicht allzu groß«, die Aufregung unter den deutschen Medienschaffenden wäre grenzenlos.

Gut möglich, daß noch am selben, spätestens aber am nächsten Tag zum Ende der tagesschau mit besorgter Miene ein Brennpunkt angekündigt werden würde über »antiarabische Hetze« im Vorfeld der Wahlen in »Palästina«, über »antiarabischen Rassismus« und »Apartheid«. Der kurzfristig erreichte »Menschenrechtsbeauftragte« der Regierung in Berlin würde deutsche Freundschaft zu Israel betonen, aber: »Unsere Freunde messen wir mit anderen Maßstäben als andere«.

Die kurz zuvor noch vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen als Beleg für demokratische Reformen angekündigte Wahl in »Palästina« hat »Palästinenserpräsident« Abu Mazen inzwischen wieder abgesagt, das fiktive Interview hat es nicht gegeben. Tatsächlich allerdings finden in Israel am Dienstag Parlamentswahlen statt. Und die waren dem Kölner Deutschlandfunk Anlaß für ein Gespräch, in dem sich Stefan Heinlein und Ofer Waldman ihre Vorurteile bestätigten.

Keine Fiktion ist daher die Frage Stefan Heinleins: »Wie groß ist überhaupt die Zahl der Menschen in Israel, die noch Frieden, Verständigung und Ausgleich mit den Palästinensern wollen?« Und keine Erfindung die Antwort des als »Autor« vorgestellten Leiters des Tel Aviver Büros der Heinrich Böll Stifung: »Diese Gruppe ist in der Tat nicht allzu groß«. Ein Brennpunkt über die Normalität des antijüdischen Ressentiments im deutschen öffentlich-rechtlichen Rundfunk ist nicht zu erwarten.

Nach Angaben von PEW Research halten 23 Prozent der befragten Menschen in Israel eine friedliche Koexistenz mit den »Palästinensern« für möglich oder unter Umständen für denkbar, von den »Palästinensern« hielten 21 Prozent eine Koexistenz mit Israel für möglich. Ende 2023 begrüßten 72 Prozent der »Palästinenser« den Überfall der Hamas auf Israel als »richtige Entscheidung«. Der Ungeheuerlichkeit der Frage Stefan Heinleins steht die der Antwort Ofer Waldmans in nichts nach.

Vorgeführt

In der vergangenen Woche wurde »Naza« international veröffentlicht, ein als »Dokumentation« bezeichnetes Machwerk, das unter Berufung auf anonyme Quellen versucht, den Verteidigungskrieg Israels gegen die Hamas in Gaza zu diskreditieren. Produziert vom einschlägig berüchtigten britischen Massenblatt The Guardian, wirft der Film den israelischen Streitkräften eine zynische Verachtung zivilen Lebens und in deren Folge schwerstee Kriegsverbrechen vor.

Es spricht freilich nicht eben für die »Naza«-Macher, die sich derweil dennoch rund um den Globus feiern lassen, daß sie offenbar ganz gezielt darauf verzichteten, die Regierung in Jerusalem oder die Armee des jüdischen Staates vorab mit ihren Anschuldigungen zu konfrontieren. So ersparten sie sich und ersparen ihrem Publikum die Auseinandersetzung mit unbequemem Widerspruch, der ja doch bloß der ganz und gar nicht erwünschten Wahrheitsfindung dienen könnte.

»Naza« soll und will Vorurteile bedienen und bestätigen, nicht aber aufklären. Das belegen mittlerweile anschaulich auch Reaktionen des Publikums, für das »Naza« entstand, auf Kritik an dem Film: Im niederländischen Delft wurde eine Überlebende des barbarischen Pogroms der Hamas und ihrer Komplizen am 7. Oktober 2023, deren Mann und deren Sohn von den Islamisten massakriert wurden, ausgepfiffen und beschimpft. Sie solle sich »schämen«, krakeelte der Mob.

Doch wofür sollten sich Menschen schämen, deren Angehörige von islamistischen Terroristen bestialisch zu Tode gequält wurden? Dafür, daß sie sich nicht einschüchtern und zum Schweigen bringen lassen? Die haßerfüllten »Shame on you«-Rufe des Delfter Premierenpublikums von »Naza« sind so bezeichnend wie entlarvend. Mit ihnen führt diese »Zivilgesellschaft« ihre ganze bigotte Verlogenheit als den Menschenhaß vor, der Hamas, »Naza«-Macher und -Konsumenten eint.

Übliche Verdächtigungen

Fakten zeichnen sich durch objektive Überprüfbarkeit aus. Was nicht überprüft werden kann, ist daher nicht mehr als eine Behauptung. Und Behauptungen werden nicht durch Beifall zu Fakten, sondern bleiben, was sie sind, schlimmstenfalls böswillige Verleumdungen. Gleichwohl wurde bei den einst renommierten Filmfestspielen in Venedig jetzt erneut ein antiisraelisches Machwerk als »Dokumentation« mit einem Preis und entlarvend großzügigem Applaus bedacht.

Basierend auf angeblichen Aussagen angeblicher Angehöriger israelischer Streitkräfte, die sich jeder Überprüfbarkeit entziehen und denen daher nicht einmal anekdotischer Charakter zugebilligt werden kann, soll »Naza« zeigen, daß die IDF in Gaza systematisch gegen Zivilisten vorgehen. In einer Szene wird behauptet, bei der Planung einer Operation in dem von der Hamas beherrschten Gebiet sei billigend mit bis zu 500 »Kollateralschäden« gerechnet worden.

Während das offizielle Jerusalem bestreitet, gegen die »palästinensische« Zivilbevölkerung Krieg zu führen, geben auch die israelischen Streitkräfte, niemals einen Einsatz im Kampf gegen die Hamas erwogen zu haben, bei dem 500 Zivilisten hätten getötet werden können, eine Zahl freilich, nach der das intelligenzabstinente Publikum in Venedig ebenso gierte wie Antisemiten weltweit, die doch längst von einem »Völkermord« in Gaza zu »wissen« meinen.

Fünfundzwanzig Minuten Applaus soll es jedenfalls gegeben haben für das Agitprop-Werk der bereits einschlägig verrufenen Yuval Abraham und Rachel Szor, das vom kaum weniger berüchtigten antisemitischen Hetzblatt The Guardian produziert wurde. In einer Welt, in der »Experten« ohne für sie negative Folgen Jerusalem auch mal nachsagen können, es wolle 14.000 Kleinkinder innert weniger Tage verrecken lassen, ist »Naza« der kaum verdiente Erfolg wohl sicher.

Dazu dürften nicht zuletzt auch Reaktionen einiger israelischer Politiker beitragen, die bis zur Forderung reichen, Yuval Abraham und Rachel Szor die israelische Staatsbürgerschaft abzuerkennen. Israel ist ein gefestigter demokratischer Rechtsstaat, selbst so verleumderische Filme wie »Naza« belegen das. Die Möglichkeit auch solcher »Kritik« ist ein Alleinstellungsmerkmal des jüdischen Staates in der Region und darüber hinaus. Daran sollte nicht gerüttelt werden.

Hetzer

Dem Parlamentarier, der in einer Anfrage Aufklärung darüber verlangte, wie hoch die Zahl der etwa seit dem 2. Juni 2019 in Deutschland durch Extremisten und Polizisten getöteten Menschen sei, wäre wohl einige Kritik sicher. Der Deutschlandfunk antwortete in seinen »Nachrichten« nun auf eine ähnliche Frage: Seit dem 7. Oktober 2023 seien »laut Zahlen der UNO« in den umstrittenen Gebieten »mindestens 1.100 Palästinenser von israelischen Siedlern und Soldaten getötet worden«.

Die öffentliche Empörung darüber, daß es ausgerechnet die in ihrem Antisemitismus wahrlich Vereinten Nationen sind, die eine solche »Statistik« zu führen wagen, war seither so überschaubar wie die darüber, daß der öffentlich-rechtliche Kölner Sender sie in seinen »Nachrichten« völlig unkommentiert zitiert. Dabei ist freilich nicht »nur« die bewußte Gleichsetzung von »Siedlern« und Soldaten, zurückhaltend formuliert, unseriös, sondern auch die ihrer vermeintlichen »Opfer«.

Es ist offensichtlich, daß diese »Statistik« allein den Zweck hat, Juden und Israel zu diskreditieren, die Öffentlichkeit gezielt zu desinformieren und damit zu manipulieren. Die Vereinten Nationen unterscheiden nämlich nicht, ob ein »Palästinenser« als Terrorist bei einem Angriff auf »Siedler« oder Sicherheitskräfte, die im übrigen in Übereinstimmung mit den Osloer Verträgen in den B- und C-Gebieten stationiert sind, getötet wurde oder als womöglich tatsächlich Unbeteiligter.

Es entlarvt die Vereinten Nationen als das, was sie sind, wenn sie den »palästinensischen« Terrorismus, den die »Palästinenserführung« ja gleichzeitig als »Widerstand« legitimiert und glorifiziert, auf diese Weise leugnen; und es macht einen Sender und seine »Nachrichten« als das kenntlich, was er und sie sind. Als »Information« hieß es beim DLF derweil einen Tag später, »über zwei Millionen Menschen« in Gaza seien »immer wieder Ziel israelischer Angriffe«. Stürmer-Niveau.

Gezielte Irreführung

Nicht selten hat das, was der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Deutschland als »Nachricht« präsentiert, mit dem, was eine solche ausmacht, herzlich wenig zu tun. Insbesondere der Kölner Deutschlandfunk (DLF) scheint aus einer Parallelwelt zu berichten, geht es um das Geschehen in und um Israel. Ist der Sender ganz vorn beim Gendern, glänzen seine »Nachrichten« aus dem Nahen Osten regelmäßig durch eine Realitätsferne, hinter der nur Vorsatz vermutet werden kann.

So behauptet der Sender gegenwärtig in seinem »Newsblog zur Lage im Nahen Osten«, »ungeachtet der Waffenruhe zwischen Israel und der pro-iranischen Hisbollah-Miliz hat es im Süden des Libanon erneut Angriffe und Gefechte gegeben«. Daran ist nicht falsch, daß die israelische Armee auf Angriffe der Hisbollah mit Einsätzen gegen terroristische Ziele geantwortet hat. Eine Erfindung aber ist »[die] Waffenruhe zwischen Israel und der pro-iranischen Hisbollah-Miliz«.

Mag es noch grenzwertig sein, die islamistische Terrororganisation zur »Miliz« zu erklären, gibt es diese »Waffenruhe« wohl nur in Köln. Es existiert ein unter amerikanischer Vermittlung zwischen Beirut und Jerusalem ausgehandeltes Rahmenabkommen, das die Hisbollah als Haupthindernis für einen Frieden bezeichnet und mit dem Beirut (einmal mehr) zur Entwaffnung der Terrororganisation aufgefordert wird. Mit der »Partei Gottes« selbst jedoch gibt es keine Waffenruhe.

Und daher ist es auch irreführend, legt der Sender durch seine Wortwahl (»ungeachtet«) nahe, diese – nicht existierende – Waffenruhe sei dadurch gebrochen worden, daß »die israelische Luftwaffe mehrere Ziele in der Nähe der Stadt Bint Dschubail an[gegriffen]« habe. Israelische Einsätze gegen terroristische Ziele verstoßen ausdrücklich nicht gegen das knapp zwei Wochen alte Abkommen. Doch genau diesen Eindruck wollen die Kölner Flunkerfunker offenbar erwecken.

Ihre »Nachricht« ist eine so absichtsvolle wie deshalb dreiste Verdrehung von Tatsachen, denn ein Versehen ist ob der gesamten Formulierung auszuschließen. Den Bruch einer Waffenruhe, die es nicht gibt, zu erfinden, diesen dann Jerusalem anzulasten, dessen Streitkräfte durchaus im Rahmen eines tatsächlich mit Beirut existierenden Abkommens handelten, das war und ist keine »Nachricht«, sondern eine Lüge, eine Fälschung. Es ist – antisemitische Propaganda.

Nebelwerfer

In New York hat António Guterres, der Generalsekretär die Vereinten Nationen, um Spenden für die UNRWA geworben, das berüchtigte »Hilfswerk« seiner Organisation »für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten«. Mußte es erst kürzlich wieder einige Dutzend langjährige Mitarbeiter feuern, denen ein besonders inniges Verhältnis zur Hamas vorgeworfen wurde, hatte António Guterres nur Lob für das »Hilfswerk« und dessen Wirken.

Entsprechend klingt, was der Kölner Deutschlandfunk (DLF) als »Nachricht« daraus machte: »Der UNO-Generalsekretär äußerte sich entsetzt von – so wörtlich – ›anhaltenden Bemühungen, die UNRWA zu verdrängen und zu untergraben‹. Guterres sprach von Verleumdungskampagnen, Desinformation und gezielten Behinderungen.« Und auf diese Weise angespornt, ließen sich die notorischen Medienschaffenden zu dieser »Information« hinreißen:

»Eine unabhängige Untersuchungskommission unter Leitung der früheren französischen Außenministerin Colonna hatte die UNO-Agentur 2024 in wesentlichen Punkten entlastet.«

Leider betreiben die, die am lautesten »Desinformation« rufen, nicht selten selbst übelste Agitation. So hat zwar die sogenannte »Colonna-Kommission« der UNRWA ein weitgehend positives Zeugnis ausgestellt, zu ihrem Mandat allerdings gehörte es gar nicht, Vorwürfe, das »Hilfswerk« sei »komplett von der Hamas durchseucht«, zu überprüfen. Das tatsächlich nicht so unvoreingenommene Gremium sollte andere Erwartungen erfüllen.

»Ich hoffe«, erklärte Chris Gunness, der frühere Sprecher des »Hilfswerks«, im Vorfeld der Beauftragung der »Colonna-Kommission« ganz unverblümt, »darauf, daß der bald vorliegende Bericht den Gebern« der UNRWA »hilfreiche Stichpunkte für die Diskussion in ihrer jeweiligen Öffentlichkeit liefern« werde. An ganz konkreten Informationen schien das dreiköpfige Gremium denn auch etwas weniger interessiert, wie etwa Clemens Wergin festhielt:

»So weigerte sich die Kommission, Informationen anzunehmen, ›die individuelle Fälle schildern‹. Man fragt sich, wie Israel denn die Beteiligung von UNWRA-Mitgliedern am Massaker vom 7. Oktober hätte beweisen sollen, ohne jeden einzelnen Fall konkret zu belegen.«

Die »Colonna-Kommission« mag festgestellt haben, was immer sie herausfinden sollte. An Glaubwürdigkeit jedoch mangelt es ihr, was allein schon dadurch unterstrichen wird, daß ihre »Erkenntnisse« öffentlich zugänglich sind. Einen anderen Untersuchungsbericht hingegen, der immerhin zur Entlassung von 9 UNRWA-Beschäftigten und Disziplinarmaßnahmen gegen mindestens 9 weitere führte, hält António Guterres bis heute unter Verschluß. Er wird wissen, warum.

Agitator

Im Kölner Deutschlandfunk (DLF) hat Jan-Christoph Kitzler ausgerechnet in einem Stück, das Israel Versuche vorwirft, weltweit die öffentliche Meinung zu beeinflussen und zu manipulieren, demonstriert, daß er und der Sender, der ihn in Tel Aviv stationierte, es selbst so genau nicht nehmen mit journalistischen Standards. Statt »Hintergründe« zu liefern, objektive, vierlleicht auch widersprüchliche Informationen, biegt Jan-Christoph Kitzler sich eine eigene »Wahrheit« zurecht.

Exemplarisch und besonders deutlich wird das mit Blick auf den inzwischen zum »linken« Dogma erhobenen Vorwurf, Israel begehe in Gaza einen »Völkermord«. Jan-Christoph Kitzler erinnert daran, daß dieser Vorwurf »schon früh« erhoben wurde. Doch »erst im September 2025«, was wohl heißen soll: nach eingehender Überlegung, hätten »führende internationale Genozid-Forscher« erklärt, »Israels Regierung habe« in Gaza »auch einen Völkermord begangen«.

In der Tat hatte im September 2025 die International Association of Genocide Scholars (IAGS) ein Pamphlet vorgelegt, das Israel einen »Völkermord« in Gaza vorwarf. Die IAGS hatte damals etwa 500 Mitglieder, darunter gewiß unbestrittene Autoritäten wie Adolf Hitler oder Sheev Palpatine. Von diesen 500 »führende[n] internationale[n] Genozid-Forscher[n]« hatten in einer Abstimmung 108 Mitglieder (bei einer »Wahlbeteiligung« von 129) dem Papier zugestimmt.

Dieser »weltweit größte[n] Vereinigung von Genozid-Forschern« widersprachen bald über 500 Wissenschaftler, die sich die (mindestens) 30 Dollar, die die IAGS für den Titel »führender internationaler Genozid-Forscher« verlangte, gespart und ihre Meriten durch tatsächliche Kompetenz erworben hatten. Ein seriöser Journalist hätte darüber informieren können, Jan-Christoph Kitzler indes bläst noch einmal einen Verein halbseidener Discount-»Experten« zur unumstrittenen Instanz auf.

Doch wer mit der Behauptung antritt, »die israelische Regierung bringt mit Hilfe von Kampagnen zum Teil falsche, zum Teil irreführende Informationen in Umlauf«, und sich zum Beweis dieser These u.a. auf ein Positionspapier einer Organisation stützt, die selbst damit wirbt, zu ihren »international führenden« Mitgliedern zählten »Studierende [..], Künstler [..] sowie Literatur- und Filmwissenschaftler«, sollte sich freilich nicht wundern, Demagoge genannt zu werden.

Erfundene »Waffenruhe«

»Eine Nachricht«, glaubt eine Künstliche Intelligenz zu wissen, sei »eine Information über ein aktuelles, für die Öffentlichkeit wichtiges Ereignis«, sie diene »der objektiven Tatsachenvermittlung«. Maschinengehirne haben noch viel zu lernen. Bei einem Kölner Sender beispielsweise ist nicht immer »objektive Tatsachenvermittlung« drin, steht drunter, »diese Nachricht wurde [..] im Programm Deutschlandfunk gesendet«.

»Zwischen Israel und der pro-iranischen Hisbollah gilt seit dem Mitte April offiziell eine Waffenruhe«, behauptet da heute so eine zeitweise halbstündlich wiederholte angebliche »Nachricht«. Und das hat mit »objektiver Tatsachenvermittlung« herzlich wenig zu tun. Denn es gibt keine »offizielle« Waffenruhe zwischen Israel und der islamistischen Terrororganisation Hisbollah, die zudem nicht »pro-iranisch«, sondern schlicht iranisch ist.

In der Tat verkündete Präsident Donald J. Trump Mitte April eine – zwischenzeitlich verlängerte – zehntägige Waffenruhe zwischen Israel und dem Libanon, auf die sich Vertreter Jerusalems und Beiruts unter amerikanischer Vermittlung verständigt hatten. In den Einzelheiten der Abmachung ist kein Hinweis darauf zu finden, daß die Hisbollah ihr als »Partei« beitreten könnte. Vielmehr wird Beirut aufgefordert, gegen sie vorzugehen.

Beirut wird darin zu »wirksamen Schritten« verpflichtet, um die Hisbollah oder andere Terrororganisationen auf libanesischem Hoheitsgebiet von Angriffen auf Israel oder sonstigen feindlichen Aktivitäten gegen den jüdischen Staat abzuhalten. Und Israel wird das Recht eingeräumt, »jederzeit alle erforderlichen Maßnahmen zur Selbstverteidigung gegen geplante, unmittelbar bevorstehende oder laufende Angriffe zu ergreifen«.

Die »Nachricht«, es existiere »offiziell eine Waffenruhe« zwischen der Hisbollah und Israel, ist eine Desinformation. Und vielleicht ist sie Ergebnis einer Unachtsamkeit. Im Zusammenhang mit der Angabe, beide würden »einander Verstöße gegen die Vereinbarung« vorwerfen, sowie vor dem Hintergrund von Versuchen des DLF, Israels Kampf gegen die Hisbollah als »völkerrechtswidrige Invasion« zu kriminalisieren, sind manipulative Absichten indes nicht auszuschließen.

Wahrnehmungsstörung

Als »Nachricht« deklariert versendet der Kölner Deutschlandfunk (DLF) Hetze von Gestalten, die sich freiwillig in Hamas-Tücher hüllen: »Aktivisten der selbst ernannten Hilfsflotte für den Gazastreifen haben Missbrauchsvorwürfe gegen israelische Sicherheitskräfte bekräftigt«. Die »Aktivisten« seien »gewaltsamen und sexuellen Übergriffen vor allem an Bord« eines Schiffes ausgesetzt gewesen, das sie nach ihrer Festnahme nach Israel transportiert habe.

Gewiß, die öffentlich-rechtlichen Komplizen der Hamas-Sympathisanten reden von einer »selbst ernannten Hilfsflotte«, fügen sogar noch ein, »unabhängig überprüfen lassen sich die Vorwürfe derzeit nicht«. Dennoch bleiben sie, was sie sind. Denn was nach einer Distanzierung klingt, klingen soll, ist nichts als billige Camouflage, die Seriosität da vortäuschen soll, wo keine ist. Lassen »die Vorwürfe« sich denn tatsächlich »nicht überprüfen«?

Sollte das tatsächlich so sein, gehörten sie nicht als »Nachricht« ins Programm. In diesem Fall freilich demonstrieren andere Medien, etwa die italienische Tageszeitung Libero, daß es jedenfalls quellenkritischer geht: Sie berichtet nicht über eine »selbst ernannte Hilfsflotte«, sondern von einer »Flotte der Wunder« und überführt die »Aktivisten« mit deren eigenen Aufnahmen als Scharlatane, die »krankenhausreif« den Heimflug antreten und putzmunter ankommen.

Doch es ging, wie die Zeitung im Gegensatz zum deutschen Rundfunk herausfinden konnte, offenbar auch umgekehrt: Während die »Aktivistin« Nesrin Zeaiter aus Hannover, die mit ihren Behauptungen auch weitere deutsche Medien vorführen konnte, auf wundersame Weise genas, stiegen andere »Aktivisten« quicklebendig in Israel ins Flugzeug, um bei der Ankunft in der Türkei »Pflegefälle« zu geben, wie das italienische Blatt berichtet.

Vor diesem Hintergrund verkommt der Satz, »unabhängig überprüfen lassen sich die Vorwürfe derzeit nicht«, zu einer Schutzbehauptung, die die Voreingenommenheit oder die Inkompetenz der Kölner Gebührenflunkerer vertuschen soll. In deren »Nachrichten« findet derweil das, was spanische »Aktivisten« bei ihrer Ankunft in Bilbao tatsächlich veranstalteten und wirklich erlebten, keine Erwähnung. »Nicht überprüfbare« Anschuldigungen Israels sind wichtiger.

Alternative Fakten

Stellt Stephanie Rohde sich als Moderatorin einer Sendung des Deutschlandfunks vor, die jedenfalls ihrem Namen nach »Informationen« verspricht, ist – mehr noch als sonst bei dem Kölner Sender – Vorsicht geboten. Zwar hat die Journalistin einmal »Wissen inhaliert in Freiburg und Isfahan« und suggeriert die Bezeichnung der von ihr auch moderierten Sendung Nano Talk als »Wissenschaftstalk« eine gewisse Vorliebe für Fakten.

Geht es jedoch in den von ihr anmoderierten Beiträgen um den jüdischen Staat, scheint sie zu vergessen, daß die Wahrheit Teil des »journalistische Handwerks« sein sollte, selbst dann, wenn es beim DLF erlernt wurde, wie der ihr bescheinigt. Am 4. April jedenfalls, das Programmheft verhieß »Informationen am Abend«, leitete Stephanie Rohde zu einem Beitrag über mit den Worten, »unterdessen treibt Israel seine völkerrechtswidrige Invasion im Libanon voran«.

Daß das kein läßlicher Versprecher war, ein Irrtum, der sogar Moderatorinnen eines »Wissenschaftstalks« passieren darf, stellte Stephanie Rohde gut eine Woche später unter Beweis, diesmal versprach der Sendeplan »Informationen und Musik«: »Im Libanon hat Israel«, erklärte sie da unwidersprochen von einer »Nahost-Expertin«, »eine völkerrechtswidrige Invasion mit Bodentruppen vorangetrieben und eine erneute Besatzung des Südens angekündigt«.

Daß Beirut dem jüdischen Staat vor 78 Jahren den Krieg erklärt hat, daß die Hisbollah von libanesischem Boden aus – und oft mit Billigung Beiruts – Israel immer wieder angegriffen hat, daß die Resolution 1701 des UN-Sicherheitsrats den Libanon bereits vor bald zwanzig Jahren verpflichtete, die islamistische Terrororganisation zu entwaffnen, daß also Jerusalem alles Recht hat, gegen diese Bedrohung vorzugehen, all das zählt für Stephanie Rohde nicht.

Mit ihrer Behauptung einer »völkerrechtswidrige[n] Invasion« Israels »im Libanon« leugnet sie die Realität, setzt mit einer dreisten Lüge den jüdischen Staat wiederholt ins Unrecht. Mit ihrer als Faktum vorgetragenen Verleumdung bestreitet Stephanie Rohde das Recht und die Pflicht Israels zum Schutz seiner Bevölkerung. Womöglich hat sie ihr »journalistisches Handwerk« doch nicht nur in Köln erlernt, sondern vor allem in Isfahan inhaliert.