Schlagwort: Bias

Schlechter Scherz

In Genf hat am frühen Morgen die 35. Sitzung des »Menschenrechtsrats« der Vereinten Nationen begonnen. In seiner Eröffnungsrede erinnerte der von der Weltorganisation zum »Hochkommissar für Menschenrechte« berufene Zeid Ra’ad al-Hussein an den Holocaust, die versuchte Vernichtung des europäischen Judentums, und forderte ein Ende der »Okkupation« der umstrittenen Gebiete.

Ihm sei, betonte der jordanische Diplomat, die Einzigartigkeit des mit »mathematischer Präzision geplanten und durchgeführten« Verbrechens an den Juden bewußt, dennoch, befand er, sei es angebracht, »im gleichen Atemzug« daran zu erinnern, daß vor fünf Jahrzehnten die »Besatzung« begonnen habe, unter der seither die »Palästinenser« leiden müßten. Sie zu beenden habe Priorität.

Wurde der »Menschenrechtsrat« in der Hoffnung gegründet, er könne die gegen Israel gerichtete Voreingenommenheit seiner Vorgängerin, der »Menschenrechtskommission«, überwinden, gelang es Zeid Ra’ad al-Hussein mit der scheinheiligen Betonung der Beispiellosigkeit der von Deutschen begangenen Verbrechen an Juden ganz mühelos, entsprechende Erwartungen zu enttäuschen.

Denn selbstverständlich stellte er Zusammenhänge her, die es nur im Narrativ der Feinde Israels gibt. Zugleich verhöhnte dieser Auftakt die Opfer anderer Konflikte und Regimes, die, hätten sie eine Wahl, vermutlich nicht ungern mit den »Palästinensern« tauschen und an deren Stelle wohl weit vernünftiger handeln würden als diese. Doch auch der »Menschenrechtsrat« ist eben, was er ist.

Das ist bedauerlich, weil dadurch Menschenrechte in der Tat lächerlich gemacht werden: Erst vor wenigen Tagen solidarisierte Zeid Ra’ad al-Hussein sich mit in israelischen Gefängnissen für ein abwechslungsreicheres TV-Programm hungerstreikenden »palästinensischen« Terroristen und deren Sympathisanten, statt die Zivilisation gegen diese freche Verhöhnung ihrer Werte zu verteidigen.

Alle Mittel

Christoph Schult, der in diesem Fall als csc zeichnet, ist im SPIEGEL einer Mordsgeschichte auf der Spur: In ihrem Mittelpunkt stehen Jeremy Issacharoff, der Israels nächster Botschafter in Berlin werden soll, obgleich er die Landessprache nicht beherrscht, und dessen Sohn Dean Issacharoff, der der »NGO« Breaking the Silence den Sprecher macht, der es mit der Wahrheit wohl nicht so hat.

Weil, wie csc das freundlich formuliert, Breaking the Silence also »das Vorgehen der israelischen Armee im besetzten Westjordanland anprangert«, wird die Organisation von deutschen Politikern geliebt und von zahlreichen israelischen abgelehnt. Und der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu »bekämpft« die »Aktivisten« dabei, so Christoph Schult, sogar »mit allen Mitteln«.

Was könnte »mit allen Mitteln« nicht alles bedeuten? Benjamin Netanjahu jedenfalls wollte einem Treffen des Sozialdemokraten Sigmar Gabriel und Vertretern von Breaking the Silence in Israel nicht im Wege stehen. Der deutsche Politiker wurde darauf in seiner Heimat beklatscht, wo 4 von 10 Befragten »bei der Politik, die Israel macht, [..] gut verstehen, dass man etwas gegen Juden hat«.

Und die »NGO« Breaking the Silence dürfte zwei oder drei weitere Großspender gewonnen haben. Wen Benjamin Netanjahu »mit allen Mitteln bekämpft«, der kann, scheint’s, gar nicht verlieren. Nur: Was soll die Behauptung vom Kampf »mit allen Mitteln« dann eigentlich? Csc bleibt jeden Beleg für seine These schuldig, er ist es, der in seinem ganzen Elend keinen Anstand mehr kennt.

Schwere Beleidigung

Kürzlich stellte die Hamas in Katar eine Ergänzung ihres Gründungsdokuments vor, an der sie vier Jahre lang getüftelt haben will. Und obschon die zweifellos klügsten Köpfe der islamistischen Gang sich gewiß alle Mühe gaben, das 42 Artikel umfassende Dokument so unzweideutig wie möglich zu formulieren, wurde prompt mancherorts behauptet, die Hamas wolle Israel nicht mehr vernichten.

»Hamas läßt Forderung nach Zerstörung Israels fallen«, meldete eine begeisterte Financial Times, und auch im deutschen Staatsrundfunk konnte ein Moderator es kaum fassen: Die Regierung in Jerusalem, gab er an, sei »entsetzt«, denn die Hamas, »die den Gazastreifen kontrolliert, sie scheint jetzt bereit, Israel in den Grenzen, wie sie vor dem Krieg von 1967 galten, anerkennen zu wollen«.

Vier lange Jahre härteste Arbeit – und dann das: »Die Hamas scheint bereit, Israel anzuerkennen«! Wie konnte man sie nur so mißverstehen? Hatte man nicht jede Silbe sorgfältig diskutiert, sogar eine englische Übersetzung mitgeliefert und betont, »daß die Errichtung eines [arabischen] Staates entlang der Linien von 1967 keineswegs die Anerkennung des zionistischen Gebildes bedeutet«?

Nun, die Hamas hat eingesehen, die Intelligenz von Teilen ihres Publikums überschätzt zu haben, und noch einmal klargestellt, daß sie nicht bereit ist, auf nur einen Teil »Palästinas« zu verzichten. Anders als die PLO, so erklärte »Politbüro«-Mitglied Mahmoud Zahar, stehe seine Organisation weiter für die Vernichtung Israels. Ihr andere Absichten zu unterstellen, das beleidige die Hamas.

Bigotterieweltmeister

Gleichzeitig mit der Genehmigung eines neuen Außenpostens, der ersten solchen Erlaubnis seit 25 Jahren, hat die israelische Regierung am Donnerstag deutlich gemacht, daß sie damit keineswegs einen Startschuß geben wolle für eine massive Ausweitung des Ausbaus von »Siedlungen«. In der Tat ist das Gegenteil der Fall, wie selbst eine nicht gerade unkritische Haaretz erstaunt feststellt.

»Die am weitesten rechts stehende Regierung, die Israel je hatte, schränkt den Siedlungsbau ein – und die Siedler bleiben stumm«, konstatiert die liberale Tageszeitung aus Tel Aviv. Sollte Premier Benjamin Netanjahu aber gehofft haben, damit außerhalb der inzwischen nicht mehr ganz so neuen amerikanischen Regierung überhaupt wahrgenommen zu werden, müßte man ihn naiv nennen.

Wie wiederum Haaretz beobachtet, hätte Jerusalem auf diesen als Zeichen guten Willens gedachten Schritt verzichten können, wie die Reaktion besonders einiger europäischer »Verbündeter« Israels zeigt: »EU, Deutschland, Frankreich und Großbritannien verurteilen die Genehmigung einer neuen Siedlung. In koordinierten Stellungnahmen bleiben die beschlossenen Restriktionen unerwähnt«.

Und tatsächlich, gerade der Blick in den neuesten offiziellen deutschen Kommentar israelischer Politik offenbart ein Maß an Arroganz, das wohl nur schwer zu übertreffen ist. Diplomaten, denen eben selbst der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) einen schweren Fehler bei der Wahl eines »palästinensischen« Kooperationspartners bescheinigte, erdreisten sich, über Israel herzufallen.

Mit der Entscheidung, »erstmals [!] seit [!] vielen [!] Jahren [!] eine neue Siedlung zu gründen«, so die deutschen Sponsoren eines »Generalmajors« Jibril Rajoub, der von Kernwaffenangriffen auf Israel träumt, scheinheilig, werde »unser Vertrauen in den Willen der israelischen Regierung auf die Probe« gestellt, »einen verhandelten Frieden zu erreichen«. Um deren Vertrauen werben? Wozu?

Indem sie, wie ihnen eben ausgerechnet Haaretz bescheinigt, Informationen unterschlagen, die doch nicht ganz unwichtig scheinen, indem sie also Desinformation betreiben – und das auch noch im Verbund mit anderen –, offenbaren diese Vertreter Deutschlands, wie es in ihnen tickt. Sie sind es, die jedes Vertrauen verspielt haben. Daß und wie sie sich zu Richtern aufschwingen, ist schamlos.

Heuchler

Seit 1993 wird am 22. März der Weltwassertag begangen, dessen Einführung die Vollversammlung der Vereinten Nationen im Dezember 1992 beschlossen hat. Soll er jährlich andere Aspekte in den Mittelpunkt rücken, 2016 lautete das Motto »Wasser und Arbeitsplätze«, 2017 geht es um Abwasser und dessen Nutzung, ist für manche auch dieser Tag nur ein weiterer Anlaß für Angriffe auf Israel.

Routiniert attackiert etwa die »Hilfsorganisation« Oxfam die jüdische Demokratie mit etwas, das sie einen »Bericht« nennt. Gut zwei Jahre nach dem letzten Krieg zwischen der Hamas und Israel, heißt es darin, seien zwar die 2014 entstandenen Schäden an der Infrastruktur zur Wasserversorgung in weiten Teilen beseitigt, dankbare Medien aber werden mit düsteren Zukunftsvisionen versorgt.

Danach drohen den Menschen in Gaza katastrophale Zustände, für die die von Israel und Ägypten durchgesetzten Maßnahmen zur Kontrolle des Personen- und Warenverkehrs von und nach Gaza verantwortlich gemacht werden: »Grundproblem«, erklärt der Oxfam-Funktionär Chris Eijkemans, »ist die seit zehn Jahren bestehende völkerrechtswidrige Versorgungsblockade Gazas durch Israel«.

Schöner kann man die ganze antiisraelische Verbohrtheit dieser »Hilfsorganisation« freilich kaum in Worte fassen. Statt die Herrschaft der Hamas anzuprangern, die ihren erklärten Daseinszweck in der Zerstörung Israels sieht, diffamiert Oxfam israelische Maßnahmen, das Leben in Gaza unter den gegebenen Umständen noch so erträglich wie möglich zu gestalten, als »völkerrechtswidrig«.

Aus den Angegriffenen macht Oxfam Täter und verschleiert so die Verantwortung der Hamas für die Lage in Gaza. Konnte sogar ein Frank-Walter Steinmeier als deutscher Außenministerdarsteller die Forderung formulieren, »Gaza darf nicht mehr von der Hamas und anderen Extremisten als Waffenlager missbraucht werden«, verlangt Oxfam, Sicherheitsinteressen Israels zu hinterfragen.

Die Organisation führt damit eindrücklich vor, als wessen Verbündete sie sich sich versteht: Es sind nicht Menschen, die an einem friedlichen Leben interessiert sind. Die Verantwortlichen von Oxfam sind längst Komplizen islamistischen Terrors geworden. Sie verharmlosen oder leugnen ihn nicht bloß, sie rechtfertigen ihn, indem sie das Leid von Menschen mißbrauchen, die noch auf sie hoffen.

Die Wahrheit hinter der Wahrheit: Aufklärungsarbeit à la WDR

Am 15. März finden in den Niederlanden Parlamentswahlen statt, bei denen es um die Vergabe der 150 Mandate der Zweiten Kammer geht. Als einigermaßen sicher gilt, daß Geert Wilders erneut ins Parlament wird einziehen können, der Vorsitzende der Partij voor de Vrijheid (PVV). Er ist bekannt und berüchtigt als ein Hetzer, der außer menschenfeindlichen Ideen freilich wenig zu bieten hat.

Der Politiker versteht sich als Streiter gegen eine vermeintliche Islamisierung Europas, das dem Nationalisten allerdings ebenfalls suspekt ist. Auf welchem Niveau er kämpft, demonstrierte Geert Wilders erst vor wenigen Wochen, als er erklärte, zwar seien nicht alle Marokkaner »Abschaum, aber es gibt viel marokkanischen Abschaum in Holland«. Derlei nennt er Meinungsäußerung.

Und damit schafft er es, nahezu alle Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, selbst noch im deutschen Fernsehen. Und so fragte in dieser Woche der Westdeutsche Rundfunk sich in seiner Reihe Die Story, »wer ist Geert Wilders?« Beantwortet wurde die Frage durch Joost van der Valk, der Geert Wilders »über Jahre bei Auftritten begleitet und bereits einen Kino-Film über ihn produziert« hat.

Der als »Autor« Vorgestellte bereitete für den WDR und dessen Story Material auf, das schon ein paar Jahre alt ist. Bereits 2011 strahlte die BBC es aus unter dem Titel »Geert Wilders: Der gefährlichste Mann Europas?« Und natürlich – schon damals fiel einigen Zuschauern unangenehm auf, was ihnen da auch vorgesetzt wurde: antisemitische Angriffe auf den Zionismus und Israel.

So durfte 2011 und darf 2017 erneut Khaled Yasin, ein »muslimischer Lehrer«, der »extrem beliebt [..] bei jungen europäischen Muslimen« sei und sich »gegen radikale Ideen« einsetze, unhinterfragt über Geert Wilders und dessen Motive spekulieren: »Ich glaube, er hat die Idee des modernen Zionismus begriffen und angenommen«. Und daher sei er nun eine Art Marionette Israels:

»Er benutzt den modernen Zionismus, um die gleichen Ansichten über Muslime und über den Koran zu verbreiten, die sich die Juden in Israel nicht trauen zu sagen. Aber Herr Wilders kann ihnen einen Gefallen tun, er kann außerhalb Israels die Palästinenser so charakterisieren, wie es die Zionisten tun, um ihre Macht zu rechtfertigen.«

Spätestens hier gibt es kein Halten mehr: Es wird »enthüllt«, daß Geert Wilders in seiner Jugend einige Zeit in Israel verbracht und den jüdischen Staat auch später immer wieder besucht hat, daß er mit einer Jüdin verheiratet ist. Auch soll er nicht nur oft, sondern sogar regelmäßig die Vertretung Israels in Amsterdam aufgesucht haben, weshalb die Spionageabwehr gegen ihn ermittelt habe.

Aus der Auseinandersetzung mit Geert Wilders ist ein Angriff auf den Zionismus geworden, auf Israel. Daß hier eine antisemitische Verschwörungstheorie ausgebreitet wird, ist offensichtlich. Und es war schon 2011 nicht zu übersehen. Doch das scheint beim WDR niemanden gestört zu haben. Was vor beinahe sechs Jahren schon nicht hätte gesendet werden dürfen, wurde erneut ausgestrahlt.

Wer übrigens mit Google nach Khaled Yasin sucht, wird prominent ein Video finden, in dem der »extrem beliebte Lehrer« sich rührend mit den Problemen der Erziehung von Frauen plagt. Daß ihm der WDR sechs Jahre nach dem Upload dieser Aufnahme bescheinigt, sich »gegen radikale Ideen« einzusetzen, spricht zweifellos für die Sorgfalt der für den Einkauf dieser Story Verantwortlichen.

Praxiswissen

Als sie beim Sender DRadio Wissen, der neben Deutschlandfunk und Deutschlandradio Kultur zum Senderverbund Deutschlandradio gehört, mit einem Bericht über zwei Soldatinnen der israelischen Streitkräfte vorstellig wurde, erlebte die Frankfurter Journalistin Pola Sarah Nathusius eine nach ihrer Auskunft wenig kollegiale Behandlung durch Vertreter des in Köln ansässigen Senders.

Danach sollen bis zu vier Redakteure das Manuskript um »israelkritische« Passagen ergänzt, den aus Rußland und der Ukraine stammenden Protagonistinnen des Berichts nie getätigte Aussagen angedichtet haben. Schließlich soll Redakteurin Grit Kienzlen mitgemischt haben: »Sie wollte mir Formulierungen in den Mund legen, die antiisraelisch, antizionistisch und antisemitisch sind«.

Das sei alles falsch, erklärt dagegen Ralf Müller-Schmid, seit 2012 Programmleiter bei DRadio Wissen, Pola Sarah Nathusius’ Bericht sei nicht wegen seines Inhalts auf Vorbehalte bei dem Sender gestoßen, sondern »aus handwerklichen Gründen von der Redaktion abgelehnt« worden. Und: »Gegen anderslautende Aussagen behält sich Deutschlandradio rechtliche Schritte vor«.

So stehen nun zwei Erklärungen im Raum, die sich widersprechen, da die Manipulationsvorwürfe der Autorin, dort die mit einem Hinweis auf juristische Mittel garnierte Behauptung handwerklicher Mängel. Fällt es schwer, der einen oder der anderen Aussage den Vorzug zu geben, so läßt sich doch am Programm des Deutschlandradio prüfen, für welche handwerklichen Standards es steht.

So wurde exemplarisch im vergangenen Dezember in einer Sendung des DLF über die Arbeit von »Nichtregierungsorganisationen« in Israel behauptet, »alle NGOs, die mehr als die Hälfte ihres Budgets aus dem Ausland beziehen, müssen [..] bei öffentlichen Auftritten [..] einen Anstecker tragen, der darauf hinweist«. Ein entsprechendes Gesetz sei im Juli 2016 beschlossen worden.

Diese Darstellung ist falsch, es gibt eine solche Kennzeichnungspflicht nicht. Auf Nachfrage wurde auf einen Artikel der Zeit verwiesen: »Sollte meine Quelle [..] falsch gelegen haben, bedauere ich das«. Gegen die Forderung, für Sachaussagen mehr als einen Beleg nennen zu können, hatten die Verantwortlichen da schon verstoßen. Und dann war ihre einzige Quelle auch noch die falsche.

Geschehen Fehler und werden sie erkannt, so schreibt der Pressekodex das weitere Vorgehen vor: »Veröffentlichte Nachrichten oder Behauptungen [..], die sich nachträglich als falsch erweisen, hat das Publikationsorgan, das sie gebracht hat, unverzüglich von sich aus in angemessener Weise richtig zu stellen.« Darauf haben bisher Die Zeit, aber eben auch das Deutschlandradio verzichtet.

Und so sieht es nun also aus, das Handwerk, das von dem Sender und mehreren Beteiligten nicht beanstandet wird: Unter Verzicht auf eine ausreichende Zahl von Belegen wird eine Falschaussage gesendet und bis heute verbreitet, statt sie zu berichtigen. Könnte es sein, daß Ralf Müller-Schmid nur die allerbesten Gründe hat, mit teuren rechtlichen Schritten für seine Darstellung zu werben?

Ausgesperrt

Dazu, Omar Shakir tatsächlich einen »Menschenrechtler« zu nennen, gehört eine gehörige Portion Menschenverachtung. Denn wer ein leidenschaftlicher Verteidiger der BDS-Bewegung und ihrer bis hin zum Aufruf zum Mord an Juden reichenden Methoden ist, dem kann man getrost bescheinigen, von der Universalität von Menschenrechten nicht die geringste Ahnung zu haben.

Und eine Organisation, die diesen bekennenden Anhänger der antisemitischen BDS-Kampagne zu ihrem Regionalchef für Israel und die umstrittenen Territorien macht, hat jede Glaubwürdigkeit verloren. Verweigert nun Israel Omar Shakir, der für Human Rights Watch (HRW) in Jerusalem tätig werden will, Einreise- und Aufenthaltserlaubnis, so ist das ungewöhnlich, aber begrüßenswert.

Und es gibt nicht den geringsten Grund, den jüdischen Staat dafür anzugreifen. Es sind nämlich Gestalten wie Omar Shakir, die mit ihrer Voreingenommenheit den Einsatz für Menschenrechte in Verruf bringen. Kommentiert Omar Shakir jetzt, Israel stelle sich »in die Gesellschaft von schwer repressiven Staaten wie Nordkorea, Iran und Sudan«, so belegt das nur erneut seinen Haß.

In Israel sind zahllose NGO und »NGO« aktiv, die vorgeben, ausschließlich Menschenrechten verpflichtet zu sein, darunter nach wie vor auch Human Rights Watch. Israel läßt es zu, daß sie es mit ihren Aktivitäten nicht selten unangemessen dämonisieren und verleumden, und wehrt sich, wenn überhaupt, nur sehr zurückhaltend dagegen. »Schwer repressive Staaten« handeln anders.

Das Einreiseverbot für Omar Shakir ist berechtigt, und jeder Menschenrechtsaktivist, dem es ernst ist mit seinem Engagement, sollte es begrüßen. Der Schutz von Menschenrechten benötigt keine Etikettenschwindler, die sie in Wirklichkeit doch nur mit Füßen treten und so verraten. Omar Shakir verhöhnt Menschenrechte und die, denen sie vorenthalten werden. Es ist gerecht, ihn zu ächten.

Fake News

Es ist kein Geheimnis, daß man vom deutschen Nachrichtenmagazin nicht viel erwarten darf, befaßt es sich mit Israel. Und so ist es keine Überraschung, darf auf der Website des Wochenblatts eine Maria Christoph Tränen um tote Terroristen vergießen, die anderswo ihre einschlägige Eignung etwa so demonstriert: »5,2 Millionen Palästinenser gehören zur Weltbevölkerung der Flüchtlinge.«

Bemerkenswert ist freilich dennoch die Dreistigkeit, mit der die Autorin ihre Leser zu manipulieren versucht. Das wird besonders deutlich, behauptet sie, Kriegsvölkerrecht zu zitieren: »Laut Genfer Konvention müssen [..] Konfliktparteien dafür sorgen, dass [..] Opfer ehrenvoll und entsprechend den Regeln ihres Glaubens beerdigt werden«. Allein, im Kontext stimmt an diesem Satz gar nichts.

Die Genfer Konventionen mögen ihre Berechtigung haben, mindestens umstritten ist jedoch ihre Anwendbarkeit im Fall von Terrorismus. Terroristische Anschläge sind keine Kriegshandlungen, Mitglieder terroristischer Organisationen sind keine Soldaten. Sie können daher auch nicht in Kriegsgefangenschaft geraten. Und wer als suicide bomb aus dem Leben scheidet, ist kein »Opfer«.

Wirft Maria Christoph israelischen Institutionen einen regelwidrigen Umgang mit toten Verbrechern vor, die für sie »Opfer« sind, so offenbart das ein wohl mehr als nur ein gestörtes Verhältnis zur Wahrheit. Es verrät Haß auf die tatsächlichen Opfer terroristischer Angriffe. Der billige Versuch, durch die Verleumdung Israels Sympathien für Terroristen zu wecken, ist schäbig und abstoßend.

Komplizen

Geht es um »palästinensischen« Terrorismus, wirkt die Sprache von Agenturen und deren Kunden, so sie sich überhaupt für ihn interessieren, seltsam zurückhaltend. So meldet am Montag etwa die Deutsche Presse-Agentur (dpa), »eine Rakete aus dem Gazastreifen ist in der Nähe der israelischen Küstenstadt Aschkelon gelandet« – »gelandet« und nicht etwa eingeschlagen oder niedergegangen.

Zwar richtete die Rakete bei ihrer Landung nach israelischen Angaben keinen Schaden an, doch dürfte der Alarm, den sie dennoch auslöste, seine Wirkung nicht verfehlt haben, der Angriff, den die Agentur so nicht nennen will, im Sinne der Angreifer, die als aktiv Handelnde keine Erwähnung finden, erfolgreich gewesen sein: Der Klang von Sirenen am Vormittag hat Menschen verunsichert.

Die Formulierung, »eine Rakete« sei »gelandet«, wird dem tatsächlichen Geschehen nicht gerecht. Sie verniedlicht und verharmlost, sie leugnet letztlich die zweifellos hinter dem Abschuß der Rakete stehende (massen-)mörderische Absicht. Und indem die Rakete als ein handelndes – landendes – Subjekt dargestellt wird, verschwinden auch noch die Terroristen, die sie abgeschossen haben.

Terrorismus endet nicht mit dem Einschlag von von Menschen gebauten und mit Absicht auf zivile Ziele abgefeuerten Raketen; er findet seine Fortsetzung, wird er von Agenturen und Redaktionen sprachlich weichgespült. Ihre verharmlosenden Worte verspotten und beleidigen die, denen der Angriff galt. Wer Raketen »landen« läßt, macht sich mit den Verbrechern gemein, die sie zündeten.

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